Organtransplantationen:Die Aufarbeitung der Altfälle geht ziemlich schleppend voran

Am UKE hält man die Vorwürfe trotz aller Schärfe für unbegründet: Im Oktober schon begründete das Klinikum das Fehlen der Dokumente mit IT-Problemen: Es habe leider Schnittstellenprobleme bei der Datenübermittlung zwischen dem UKE und Großhansdorf gegeben. Vieles habe gefaxt werden müssen, die Faxe seien leider nicht abgeheftet worden, hieß es da.

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung betonte der Ärztliche Direktor des UKE, Burkhard Göke, am Dienstag: "Ich sehe da keine geplante Manipulation." Er wies darauf hin, dass letztlich kein Patient wegen fehlerhafter Daten bevorzugt eine Lunge erhalten hätte. Außerdem lägen die beanstandeten Transplantationen Jahre zurück, die Probleme mit der IT seien längst abgestellt: "Wir haben alle jüngeren Transplantationen bis zur heutigen Zeit noch einmal überprüft. Da ist alles korrekt gelaufen", sagte Göke, der sich von dem Verdacht "betroffen" zeigte: "Das UKE ist immer stolz gewesen, ohne Vorwürfe aus allen Überprüfungen zu Lebern, Nieren oder Herzen herausgekommen zu sein."

Aus Kollegenkreisen hat Göke jedoch bereits harsche Kritik einstecken müssen: Der "an Deutlichkeit kaum mehr zu überbietende Bericht" über die Vorkommnisse am UKE sei "besonders niederschmetternd", schrieb der Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Christian Hugo, vor Kurzem an die Mitglieder seiner Fachgesellschaft. Er appelliere "dringend" an die Führung des UKE, "die Verantwortung für dieses inakzeptable Fehlverhalten zu übernehmen und sich hiervon maximal zu distanzieren".

Und Hugo ging noch weiter: "Solange systematisches Fehlverhalten in der Transplantationsmedizin von einzelnen wenigen begangen und möglicherweise aus Reputations- und monetären Gründen nicht adäquat aufgearbeitet wird, so lange wird uns und alle wartenden Patienten das Misstrauen weiter schädigen", schrieb er.

Der Schaden für die Patienten liegt in jedem Fall auf der Hand. Die Bereitschaft zur Organspende war in Deutschland schon immer niedrig, aber seit dem Transplantationsskandal, der im Jahr 2012 begann und in den mehrere Kliniken verwickelt sind, ist sie auf ein historisches Tief gesunken. Seither gibt es zwar ein neues Gesetz, das Manipulationen bei der Organvergabe schwieriger macht und unter Strafe stellt. Doch die Aufarbeitung der Altfälle geht ziemlich schleppend voran, - und die jüngeren Jahre sind noch gar nicht überprüft.

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