Gynäkologie:Vorsorge-Untersuchungen mit Nebenwirkungen

Diese Überzahl an Tests hat Nebenwirkungen. Sie verursacht unter anderem vermeidbaren Terminstress und Gewissensnöte, wenn die Vorsorge mal wieder verschwitzt wurde. Vor allem aber birgt sie die Gefahr von Überdiagnosen. Sie steigt, je mehr Pap-Abstriche genommen werden, erläutert der Wolfsburger Gynäkologe Petry. Dann nämlich werden mehr Auffälligkeiten gefunden, die eigentlich harmlos sind und von allein wieder verschwinden würden, weil sie zum Beispiel auf Entzündungen zurückgehen. Doch ein auffälliges Ergebnis kann Frauen massiv beunruhigen. Es kann zu unnötigen Biopsien oder gar überflüssigen chirurgischen Eingriffen führen, die wiederum das Risiko für spätere Frühgeburten erhöhen.

Und was besonders bedenklich an den permanenten Testaufrufen ist: Bislang wurden dadurch noch nicht einmal besonders viele Krebsfälle vermieden. Deutschlands Erfolge im Kampf gegen die Tumore sind nur mittelmäßig, verglichen mit anderen europäischen Staaten. Der WHO zufolge erkranken hier elf von 100 000 Frauen. In Finnland dagegen kommen auf 100 000 Frauen sechs Fälle, in den Niederlanden acht, in Großbritannien etwa neun - obwohl den Frauen in diesen Ländern weniger Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden.

Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass es nicht reicht, einfach nur möglichst viele Tests zu verordnen. Zum einen nimmt in Deutschland nur etwa jede zweite Frauen tatsächlich jährlich an der Untersuchung teil, sagt Stefanie Klug. Zum anderen bereitet der hierzulande bislang ausschließlich angewendete Pap-Abstrich Probleme. "Ursprünglich wurde er entwickelt, um Zervixkarzinome zu erkennen; heute setzt man ihn ein, um schon Vorstufen zu diagnostizieren. Dazu ist er aber gar nicht sehr gut geeignet", ergänzt die Epidemiologin. Der Test entdeckt nur etwa 50 Prozent der Vorstufen. Der HPV-Test dagegen erkennt etwa 90 Prozent der Vorstufen; viele Länder haben ihn daher schon vor Jahren zum Standard erhoben.

An dem Test wird vor allem aus historischen Gründen festgehalten

Bleibt die Frage, warum man in Deutschland noch immer am häufigen Pap-Test festhält. An den Wünschen der Frauen liegt es sicher nicht. Dafür spricht unter anderem eine Studie in Wolfsburg, wo insgesamt fast 27 000 Frauen vor die Wahl gestellt wurden: Entweder wie bisher jährlich zum Pap-Test oder alle fünf Jahre zu einer Kombination aus Pap- und HPV-Test. Fast alle Frauen wählten die Untersuchung im Fünf-Jahresabstand.

Die Gründe sind wohl eher woanders zu suchen. "Historisch gewachsen", "Gewöhnung", "schon immer so gemacht", erläutern Experten das Phänomen. Das bedeutet eben auch, dass traditionelle Einnahmequellen an der Untersuchung hängen. Sowohl für Frauenarztpraxen als auch für kleine spezialisierte Labore würde eine drastische Reduzierung der Zahl der Pap-Abstriche herbe finanzielle Einschnitte bedeuten.

Und während sich Deutschland nur zögerlich an internationale Gepflogenheiten anpasst, gehen einige Länder bereits neue Wege. In Australien und Dänemark beispielsweise wird Frauen angeboten, selbst eine Probe zu entnehmen, die dann in einem Labor auf Humane Papillomviren untersucht wird. "Das Ergebnis ist fast so zuverlässig wie nach einer Probenentnahme beim Facharzt", sagt Iftner. Für Frauen, denen der Gang zum Gynäkologen Probleme bereitet, kann dieser Test eine sinnvolle Alternative sein. In Deutschland aber ist diese Möglichkeit kein Thema.

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