Humane Papillomviren:Neuer Test erkennt Gebärmutterhalskrebs zuverlässiger

Humane Papillomviren: Illustration einer Frauenarztpraxis

Illustration einer Frauenarztpraxis

(Foto: istockphoto; Bearbeitung SZ)
  • Der in Deutschland gängige Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ist längerfristig weniger zuverlässig als ein Test auf Humane Papillomviren. Das ergab eine klinische Studie aus Kanada.
  • Über die beste Testmethode wird seit Jahren gestritten.
  • Für Deutschland ist bereits eine Neuregelung geplant.

Von Berit Uhlmann

Es gehört zur Routine im Leben vieler deutscher Frauen: Jährlich nimmt der Gynäkologe einen Abstrich, der dann auf veränderte Zellen untersucht wird. Ob dies wirklich die beste Methode ist, um Krebs am Gebärmutterhals rechtzeitig zu erkennen, ist indes seit Jahren umstritten. Eine neue Studie könnte die Diskussion nun weiter befeuern.

Nach der im Fachblatt Jama veröffentlichten Arbeit ist der gängige Pap-Abstrich längerfristig weniger zuverlässig als ein Test auf Humane Papillomviren (HPV). Diese Erreger sind für 99 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

Mediziner aus Kanada hatten 19 000 Frauen untersucht und dabei nach dem Zufallsprinzip entweder die klassische Methode oder den Test auf die Viren angewendet. Je nach Testergebnis wurden die Frauen zur weiteren Untersuchung und Behandlung überwiesen oder bekamen Entwarnung. Spätestens nach Ablauf von vier Jahren wurden die Teilnehmerinnen erneut untersucht - diesmal mit beiden Verfahren, um ganz sicher zu gehen. Es zeigte sich, dass in der HPV-Test-Gruppe nur halb so viele Frauen eine Krebsvorstufe hatten wie in der Gruppe mit dem Pap-Abstrich. Der Virentest hatte gefährdete Frauen also bei der Eingangsuntersuchung zuverlässiger erkannt und eine vorsorgliche Behandlung ermöglicht.

Die Studie scheint zugleich eine Kritik am HPV-Test zu relativieren. Bislang war befürchtet worden, dass dessen hohe Sensitivität durch viele Fehlalarme erkauft würde. Frauen, die eigentlich gesund sind, würden fälschlicherweise ein positives Testergebnis bekommen und müssten sich damit unnötigen Eingriffen unterziehen, so die Sorge. In der aktuellen Studie aber war die Zahl der Eingriffe - über den gesamten Zeitraum gemessen - in beiden Gruppen etwa gleich hoch.

Über die beste Früherkennungsmethode wird seit Jahren debattiert. Die Regelungen sind von Land zu Land unterschiedlich. In Großbritannien wird beispielsweise der HPV-Test, in einer Reihe von Ländern beide Methoden empfohlen. In Deutschland ist geplant, Frauen ab 35 Jahren künftig eine Kombination aus HPV- und Pap-Test anzubieten. Jüngere Frauen sollen weiterhin mit dem herkömmlichen Verfahren untersucht werden.

Die Diskussion wäre weniger dringlich, wenn mehr Menschen gegen HPV geimpft wären. Derzeit sind in Deutschland nur 45 Prozent der Mädchen geschützt. Daher wurde die Impfempfehlung vor wenigen Tagen auch auf Jungen ausgedehnt.

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