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Gesundheitsrisiko:Die Risikokategorien der IARC können viele nicht nachvollziehen

Doch schon das Schema sei problematisch, sagt Cambridge-Forscher Pharoah. Es gibt fünf Kategorien: Krebserregend, wahrscheinlich krebserregend, möglicherweise krebserregend, nicht klassifizierbar und wahrscheinlich nicht krebserregend. Die Kategorien sagen nichts darüber aus, wie gefährlich ein Stoff ist, sondern allein, wie sicher die Agentur ist, dass er - und sei es in extremen Dosen - gefährlich ist. So sind etwa Rauchen, Plutonium und Wurstwaren alle in der höchsten Kategorie: ja, ganz sicher krebserregend. Doch ist eine Packung Zigaretten am Tag ungleich schlimmer für die Gesundheit als ein paar Scheiben Wurst. Für Verbraucher ist das verwirrend und für den Alltag wenig hilfreich. "Am Ende machen sich Menschen über die falschen Dinge Sorgen, kommen zu dem Schluss, dass ohnehin alles Krebs verursacht und: Warum sollten sie dann mit Rauchen aufhören", sagt Kabat.

Einteilung der IARC

"IARC wirbt aggressiv um Medienaufmerksamkeit für seine Bewertungen, obwohl es weiß, dass diese missverstanden werden", kritisiert Peter Sandman, ein Experte für Risikokommunikation. "Ich kann nur denken, dass das gewollt ist." Übertriebene Ängste auszulösen, sei IARC vermutlich recht, sagt Sandman, weil das Menschen am ehesten motiviere, ihr Verhalten zu ändern. Kurt Straif, verantwortlich für die Monographien bei IARC, widerspricht: Die Öffentlichkeit habe eben ein Recht, die Ergebnisse zu erfahren. Viele Kritiker der Agentur hätten "massive finanzielle Interessenkonflikte", behauptet Straif. Sie seien etwa mit der Fleischindustrie oder Pestizidherstellern verbunden.

Nur eine einzige Substanz gilt der IARC als unverdächtig

Doch die Agentur krankt auch an einem Geburtsfehler, den jeder in der Präambel nachlesen kann: Die Aufgabe der Agentur ist es, festzustellen, ob eine Substanz grundsätzlich in der Lage ist, Krebs zu verursachen, selbst wenn das Risiko so gering ist, das es unter normalen Umständen keine Gefahr für den Menschen darstellt.

Das Problem dabei: Es ist praktisch unmöglich zu beweisen, dass etwas unter keinen Umständen Krebs verursacht. Tatsächlich hat die Agentur in den vergangenen 40 Jahren nur eine einzige Substanz als "wahrscheinlich nicht krebserregend" eingestuft: Caprolactam, eine Vorstufe bei der Herstellung von Kunststofffasern.

Das Ungleichgewicht beruhe auch darauf, dass IARC bevorzugt Substanzen untersuche, die bereits im Verdacht stünden, Krebs zu verursachen, sagt Straif. Sich nur das Gefahrpotenzial anzuschauen, sei veraltet, sagt Hensel. Schließlich sei die Welt voller Substanzen, die theoretisch Krebs verursachen könnten, sogar Bestandteile in Pflanzen. "Die Frage ist nicht, ob etwas da ist, sondern wie viel davon da ist und was es tut", sagt er.

Auch die Sicht auf den Krebs hat sich gewandelt. Als IARC gegründet wurde, seien Forscher noch davon ausgegangen, dass die überwiegende Mehrheit aller Krebserkrankungen auf äußere Einflüsse zurückzuführen seien, sagt Kabat. Für Lungenkrebs stimmt das wohl auch, Rauchen ist die Hauptursache. "Aber wir haben keine vergleichbaren Risikofaktoren gefunden für Leukämie, Brustkrebs oder Prostatakrebs", sagt Kabat. Die Gene und der Zufall spielen vermutlich eine größere Rolle. Schließlich kann sich mit jeder Zellteilung im Körper ein Fehler im Erbgut einschleichen und zu Krebs führen. Sollte IARC dereinst den Risikofaktor Leben bewerten, er müsste in die Kategorie 1.

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