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Ehtikrat zu Krankenhäusern:Das Patientenwohl bleibt auf der Strecke

Der Deutsche Ethikrat mahnt Reformen im Krankenhauswesen an. Unter anderem soll Pflegepersonal besser geschult werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Weil Geld knapp und die Konkurrenz groß ist, gehe es in Kliniken oft nicht mehr um die beste Behandlung, kritisiert der Ethikrat. Darunter leiden vor allem Kinder und Behinderte.

Der Befund ist verstörend: In deutschen Krankenhäusern herrscht massiver ökonomischer Druck. Durch die große Zahl der Kliniken stehen sie in scharfer Konkurrenz zueinander. Das Geld ist zusätzlich knapp, weil die Länder seit Jahren ihre Finanzzuschüsse kürzen. Um die Lage zu meistern, setzen die Krankenhäuser darauf, die Zahl der Operationen zu steigern und gleichzeitig die Zahl der Pflegekräfte zu senken oder nur bestenfalls konstant zu halten. Menschen mit Behinderung und Kinder werden hingegen ungern behandelt, weil es sich nicht lohnt.

Das Wohl des Patienten bleibt in deutschen Krankenhäusern auf der Strecke, urteilte am Dienstag der Ethikrat. Trotz an sich guter medizinischer Versorgung "gibt es Anlass zur Sorge", sagte die Vorsitzende Christiane Woopen. Ziel müsse sein, das Patientenwohl zum zentralen Leitmotiv im Krankenhaus zu machen. "Wir wünschen uns, dass sich alle Interessensgruppen im Gesundheitssystem nach dem Interesse der Patienten ausrichten."

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Nach Auffassung des Gremiums kommt es für den Patienten vor allem auf drei Umstände an. Zum einen sollte er auch innerhalb des Krankenhauses selbstbestimmt handeln können. Er muss also auch in einer gesundheitlichen Notsituation anhand von guten Gründen über sein Schicksal entscheiden können. Zum Patientenwohl gehört laut Ethikrat zweitens eine gute Behandlungsqualität. Hier gehe es zum einen um objektive Kriterien, die sich an medizinisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten orientierten. Wichtig sei aber auch, wie der Patient seine Lage ganz subjektiv beurteilt. Ist er zufrieden mit der Behandlung, entspricht sie seinen Vorstellungen? Wie hoch ist seine Lebensqualität?

Drittens muss es nach Ansicht des Ethikrats zur Sicherung des Patientenwohls bei der Behandlung gerecht zugehen. Das heißt, alle sollten gleichberechtigt Zugang zum Krankenhaus erhalten, dort dann aber gemäß ihrer Krankheit (und damit durchaus ungleich) behandelt werden.

Um das so definierte Patientenwohl ins Zentrum zu rücken, sind nach Ansicht des Ethikrates Veränderungen im täglichen Ablauf in der Klinik notwendig. So sollten die Geschäftsführer der Kliniken künftig neben ihrer ökonomischen Fachkompetenz auch über grundlegende Kenntnisse in Medizin und Pflege verfügen. Vom Gesundheitsministerium erwartet der Ethikrat, dass es eine Mindestzahl von Pflegekräften festlegt, die für die unterschiedlich großen Stationen, die Zahl der Patienten und deren Erkrankungen notwendig sind.

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