Kassenstudie Wenn das Elternhaus krank macht

Armut und mangelnde Bildung können Kinder körperlich und seelisch krank machen.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt, dass Kinder aus Haushalten mit geringer Bildung häufiger krank sind als Akademikernachwuchs.
  • Mangelndes Wissen hat einen größeren Einfluss auf das Erkrankungsrisiko als finanzielle Armut.
  • Auch der Gesundheitszustand der Eltern spielte eine wichtige Rolle für die Kinder.
Von Berit Uhlmann

Es sind nicht nur die Viren und Bakterien, nicht allein Pollen oder Umweltgifte. Wie sehr ein Kind unter Krankheiten leidet, entscheidet sich zum Teil schon lange vor seiner Geburt - zu der Zeit, als die Eltern in der Schule oder während der Lehre nicht mehr mitkamen. Ein aktueller Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK zeigt, dass in Deutschland noch immer gilt: Die Bildung von Vater und Mutter ist ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit ihrer Kinder.

So sind fünf Prozent von allen Grundschulkindern, deren Eltern keine Berufsausbildung haben, krankhaft fettleibig. Die übermäßigen Pfunde sieht man bei ihnen 2,5 Mal häufiger auf als beim Nachwuchs von Akademikern. Benachteiligte Kinder leiden zudem fast drei Mal häufiger an Karies. Auch Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sind bei ihnen verbreiteter.

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Den Daten zufolge spielt die Bildung für die Gesundheit eine größere Rolle als das Einkommen. So müssen Kinder von Geringverdienern zwar 50 Prozent mehr Krankenhausaufenthalte durchstehen als die Sprößlinge der reichsten Haushalte. Doch Bildungsunterschiede lassen die Lücke noch stärker klaffen. Eltern ohne Abschluss müssen ihr Kind 70 Prozent häufiger in die Klinik bringen als die Bestausgebildeten.

Besonders groß ist der Unterschied bei den Unter-ein-Jährigen. Jedes fünfte Baby aus einem bildungsfernen Haushalt wird mindestens einmal in einer Klinik behandelt. Hat ein Säugling eine Mutter oder einen Vater mit Promotion, droht ihm das Schicksal nur halb so oft. Die Studienautoren vermuten, dass mangelnde Gesundheitskompetenz eine wesentliche Ursache für die Unterschiede ist.

Krankheiten der Eltern treffen oft auch die Kinder

Zugleich wirkt sich der Gesundheitszustand der Eltern auf die Kinder aus. Wer sehr dick ist, wird mit mehr als dreifacher Wahrscheinlichkeit auch ein übergewichtiges Kind haben. Karies und Diabetes in der Familie erhöhen ebenfalls das Risiko, dass auch Sohn oder Tochter betroffen ist.

Eine besondere Belastung stellen Suchterkrankungen dar. Immerhin acht Prozent aller Kinder leben mit mindestens einem schwer abhängigen Elternteil. Die Folgen für die Heranwachsenden: mehr Depressionen (80 Prozent), mehr ADHS (70 Prozent) und mehr Schulangst (50 Prozent) als in Familien ohne Suchtproblem.

"Die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den Familien ist größer als gedacht. Es gibt nachweislich erhöhte Risiken für benachteiligte Kinder", sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder-und Jugendärzte, kommentierte die Erkenntnisse mit den Worten: "Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, damit die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen geschützt wird". Er unterstütze die Forderung nach einer Bildungsoffensive, die das Thema Gesundheit in die Kitas und Schulen bringt.

Insgesamt suchten etwa 90 Prozent aller im Report erfassten Kinder wenigstens einmal im Jahr einen Arzt oder eine Klinik auf. Die häufigsten Gründe waren Atemwegserkrankungen und andere Infektionen, Augenprobleme, psychische Leiden und Hautkrankheiten. Jedes vierte Kind hatte eine länger dauernde und potenziell chronische Erkrankung, in erster Linie Allergien und Neurodermitis. Untersucht wurden die Abrechnungsdaten von 600 000 Versicherten bis 17 Jahre und deren Eltern.

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