Jugendliche Chronische Kopfschmerzen plagen jeden vierten Schüler

Viele Kinder und Jugendliche leiden unter Kopfschmerzen

(Foto: dpa)
  • 27 Prozent aller Schüler haben chronische Kopfschmerzen, zeigt eine repräsentative Befragung von Fünft- bis Zehntklässlern.
  • Mädchen sind überdurchschnittlich häufig betroffen - dies liegt laut den Forschern an biologischen, psychologischen und emotionalen Faktoren.
  • Helfen können frische Luft, Ablenkung und Sport. Viele Schüler greifen jedoch eher zu Schmerzmitteln.

Chronische Kopfschmerzen sind bei Schülern einer Befragung zufolge weit verbreitet und treffen Mädchen deutlich häufiger als Jungen. Die Ergebnisse der Umfrage des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln wurden am Freitag vorgestellt. Demnach gaben in der repräsentativen Erhebung 40 Prozent der mehr als 2000 Befragten aus städtischen Regionen in Nordrhein-Westfalen chronische Schmerzen an. Das sind nach gängiger Definition Schmerzen, die seit mindestens drei Monaten wenigstens einmal im Monat auftreten. Rund 33 Prozent aller Schüler berichteten, sogar mindestens einmal pro Woche Schmerzen zu haben. Am häufigsten handelte es sich um wiederkehrenden Kopfschmerz.

Über chronische Kopfschmerzen klagte mit 27 Prozent mehr als jeder vierte Schüler. Mädchen waren mit 35 Prozent viel häufiger betroffen als Jungen (18 Prozent). Hier spielten biologische Komponenten - etwa das Einsetzen der Menstruation - und psychologische und emotionale Faktoren eine Rolle, sagte Studienleiterin Julia Wager. Unter allen Schülern mit chronischen Kopfschmerzen erlebten 80 Prozent diese mindestens einmal pro Woche. Gut jeder Dritte mit wiederkehrendem Kopfschmerz verpasst daher auch Schulunterricht. 37 Prozent der Befragten mit chronischen Kopfschmerzen hatten im letzten Quartal einen Arzt aufgesucht. Drei Viertel gaben an, dass sie in den vergangenen drei Monaten Medikamente genommen haben. Mädchen greifen dabei laut der Studie häufiger zu Schmerzmitteln als Jungen. "Der hohe Medikamentenkonsum hat uns überrascht und ist alarmierend", betonte Wager.

Medienkonsum, Schlafmangel und schulische Sorgen können Schmerzen begünstigen

Medikamente seien bei Spannungskopfschmerz bei weitem nicht das einzige Mittel. Vieles andere könne helfen - frische Luft, Bewegung, Ablenkung. Jungen Leuten müsse klar sein, dass Schmerzmittel Nebenwirkungen haben können. "Und dass man selber aktiv etwas tun kann gegen den Schmerz", sagte Wager. Das Ergebnis zeige auch, dass es mehr Präventionskonzepte brauche.

Chronische Kopfschmerzen werden laut Studie durch Medienkonsum begünstigt. Jede Stunde, die Heranwachsende mit Medien wie Handy, Tablet, Laptop, Computer aber auch Fernseher - verbringen, erhöhe das Kopfschmerzrisiko um sieben Prozent, berichtete Wager. Die Studienteilnehmer nutzen diese Medien durchschnittlich rund fünf Stunden am Tag. Es gebe einen Zusammenhang, aber "keine massive Gefährdung" durch diese Medien. Schmerz sei "multidimensional". Auch die Schlafqualität könne einen Einfluss haben. Wer sich in der Schule nicht wohlfühle oder seine schulische Leistung vergleichsweise gering einschätze, habe tendenziell ein erhöhtes Risiko.

Regelmäßiger Sport senkt das Risiko deutlich

Ein wichtiger Schutzfaktor gegen Kopfschmerzen sei körperliche Bewegung: Drei Viertel der Befragten treiben mindestens zweimal oder dreimal pro Woche Sport, bei ihnen ist das Risiko chronischer Kopfschmerzen laut den Forschern um 50 Prozent reduziert. Neben Kopfschmerzen hatten die Kinder und Jugendlichen auch häufig Muskel- und Gelenkschmerzen (20 Prozent) sowie Bauchschmerzen (18 Prozent) angegeben.

Am Schmerzzentrum in Datteln waren im Rahmen der Studie zu fünf Zeitpunkten binnen eines Jahres mehr als 2000 Schüler von fünften bis zehnten Klassen online befragt worden. Auch rund 1600 Eltern machten Angaben. Es ging um Schmerzen, körperliche und psychische Gesundheit, Schule und Freizeit sowie die Einnahme von Medikamenten und Arztbesuche.