Medizingeschichte:Der unbekannte Entdecker des Insulins

Lesezeit: 7 min

Medizingeschichte: Gegen 1946: Schulmädchen mit Diabetes lernen, sich selber zweimal täglich Insulin zu spritzen.

Gegen 1946: Schulmädchen mit Diabetes lernen, sich selber zweimal täglich Insulin zu spritzen.

(Foto: Mirrorpix/Mirrorpix via Getty Images)

Kinder mit Diabetes mussten bis vor 100 Jahren oft ihr Leben lang hungern - viele überlebten die Krankheit nicht. Dann feierten kanadische Wissenschaftler den Durchbruch der Insulintherapie. Was kaum jemand weiß: Ein deutscher Arzt hatte das Hormon längst Patienten in Berlin gespritzt.

Von Astrid Viciano

Wenn sich nur jemand die Hunde angesehen hätte. Wenn der Leiter der medizinischen Klinik in Breslau sich nur die Zeit genommen hätte, die Labornotizen seines Mitarbeiters zu den Tierversuchen zu prüfen. Dann wäre dem Internisten Oskar Minkowski nicht entgangen, dass ihnen einer der größten Durchbrüche der Medizingeschichte gelungen war: Sie hatten in ihrem Labor Hunde erfolgreich gegen Diabetes behandelt. Da jedoch mindestens zwei Patienten nach derselben Therapie über Fieber und Schüttelfrost klagten, erklärte der zuständige Labormitarbeiter im Jahr 1909 in einem Fachartikel, dass der Ansatz ungeeignet sei für die Anwendung am Menschen. "Ein vernichtendes Urteil, das die Behandlung von Diabetes um Jahre verzögerte", sagt Viktor Jörgens, Internist und ehemaliger Präsident der Europäischen Vereinigung zur Erforschung von Diabetes. Und ein Urteil, das einen deutschen Mediziner darum brachte, den Weltruhm für die Behandlung zu ernten.

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