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Innovation:Blutproben fliegen per Drohnen ins Krankenhaus

Viele Schwangere brächten daher ihre Babys in ihrem Heimatdorf unter schlechten hygienischen Bedingungen zur Welt. Malawi habe eine der höchsten Säuglingssterberaten der Welt, sagt Maseya. Viele Kinder seien zudem unterernährt.

Er hat schon Erfahrung darin, die Situation in seinem Heimatland mit Hilfe seiner Drohnen zu verbessern. Sein 2016 gegründetes Unternehmen "Craft & Theory Flying Labs Malawi" stellt über Drohnen gewonnene Daten für Maßnahmen zum Klima-, Katastrophen- und Umweltschutz bereit.

Thomas Lauzon lernte er vor drei Jahren im Internet kennen, weil sie sich beide für eine Ausschreibung von Unicef interessierten. Die Nichtregierungsorganisation wollte Blutproben auf Drohnen in Krankenhäuser transportieren. Maseya und Lauzon taten sich zusammen. Den Zuschlag für das Unicef-Programm erhielt zwar ein anderes Unternehmen, doch die beiden Männer blieben in Kontakt und dachten über ein gemeinsames Unternehmen nach.

Thomas Lauzon kam nach Malawi. "Die Situation der Frauen und Kinder hat mir die Augen geöffnet", sagt er. Wer in einem Land wie den USA oder in Europa lebe, der sei daran gewohnt, dass Mütter und ihre Babys gut versorgt seien. Nicht so in Malawi: "20 Menschen teilen sich dort zwei kleine Hütten, die Kinder spielen im Schmutz." Die Frauen säßen ebenfalls auf dem Boden, stillten ein Kind, während ein anderes auf ihrem Rücken sitze.

"Natürlich wusste ich immer, in welcher privilegierten Situation wir in den USA oder Europa leben", sagt Lauzon. "Doch die Berichte der Frauen zu hören, die Kinder wegen der schlechten Bedingungen verloren haben, ihre Tränen zu sehen, das hat mich völlig niedergeschmettert." Nach dem Schock kam der Wunsch: "Wir müssen etwas tun."

Die Gründer wollen die Frauen und deren Töchter darin schulen, die Drohnen selbst zu bedienen

Aus diesem Gefühl heraus entwickelten die Männer die Idee für Mamabird. Die Frauen wollen sie schulen, die Drohnen selbst zu bedienen. Zum Beispiel planen sie, dass jede Drohne mit einem Smartphone oder einem Tablet ausgestattet ist, auf dem sich Anleitungsvideos finden. "Wir wollen so auch ihre Töchter ermutigen, sich mit Technik zu beschäftigen", sagt Lauzon. Damit sie vielleicht eines Tages selbst eine Idee haben, die das Leben von Frauen verbessert.

Für ihre Drohnen haben die Gründer drei Pakete vorgesehen: eines mit einem "Clean-Birth-Kit", das unter anderem sterilisierte Klingen, Desinfektionsmittel und Medikamente enthält. Außerdem ein Paket mit therapeutischer Fertignahrung, die eine schnelle Kalorienzufuhr bei Unterernährung garantiert.

Auch eine Babybox mit einer Baby-Erstausstattung nach finnischem Vorbild, die als Babybett genutzt werden kann, fänden sie eine gute Idee. "Viele Babys in Malawi verbringen ihre ersten Tage in einer Umgebung, in der sie sich mit Krankheiten anstecken", sagt Maseya.

"Eine Frau im Unternehmen könnte uns besser sagen, wenn wir komplett falsch liegen"

Demnächst wollen die Gründer ihren Prototypen in Malawi testen. Dafür sind sie schon in Gesprächen mit Unicef. In Zukunft planen sie mit 2000 Flügen pro Tag, gerne möchten sie ihr Unternehmen auch auf andere afrikanische Länder ausdehnen. Nun sind sie aber erst einmal in Berlin.

Insgesamt fünf Start-ups bekommen hier im Rahmen von "F-Lane" Schulungen zu Themen wie Marketing und Präsentation, jedem Team wird außerdem ein Mentor zugeteilt. Anfang Mai sollen die Gründer und Gründerinnen ihre Ideen vor Investoren präsentieren - und im Idealfall Geldgeber für sich gewinnen.

Ein weiteres großes Ziel haben die Gründer von Mamabird allerdings noch für die nahe Zukunft: Sie wollen eine Frau ins Unternehmen holen. Bisher arbeiten sie lediglich mit Beraterinnen. "Eine Frau im Unternehmen könnte uns besser sagen, wenn wir komplett falsch liegen. Oder etwas übersehen", sagt Lauzon. Der weibliche Blick, den F-Lane-Initiatorin Alice Deißner vermisst, er scheint auch den Gründern von Mamabird unersetzlich.

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Frauengesundheit

In der Giftküche von Malawi

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