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"Hot Yoga":Kaltes Yoga hilft genauso

Die Generation Streaming und der Sport

Beim Yoga zählen vor allem die Übungen, nicht die Temperatur

(Foto: dpa)
  • Beim "Hot Yoga" wird der Übungsraum stark aufgeheizt, damit Teilnehmer ins Schwitzen geraten.
  • Sportmediziner haben den Einfluss der Hitze auf die Durchblutung untersucht. Ihnen zufolge gibt es keine Vorteile gegenüber Yoga-Übungen bei Raumtemperatur.

Ashtanga Yoga, Forrest Yoga, Power Yoga, Hormon Yoga, Yin Yoga: Bei der Vielzahl an neuen Yoga-Studios müssen sich die Lehrer schon etwas Besonderes einfallen lassen, um aufzufallen. Ein besonders erfolgreicher Trend heißt "Hot Yoga", auch Bikram Yoga genannt. Dabei wird der Turnraum auf mindestens 38 Grad aufgeheizt, am besten bei hoher Luftfeuchtigkeit, damit die Übenden noch stärker schwitzen. Das soll die Gesundheit besonders fördern: "Will ein Schmied sein Eisen formen, hält er es ins Feuer. Genauso verhält es sich mit dem menschlichen Körper", erklärte der Erfinder der Technik, Bikram Choudhury aus Kalkutta, einst der SZ. Sei es auch nur ein Grad zu kalt, "fügen wir ihm Schaden zu".

Sportmediziner von zwei texanischen Universitäten haben nun erstmals systematisch untersucht, welchen Einfluss die Hitze auf die Gesundheit hat, speziell auf die Durchblutung. Laut der Studie, erschienen im Fachjournal Experimental Physiology, wirken sich die hohen Temperaturen jedoch kaum auf den Körper aus. Entscheidend seien vielmehr die Gymnastikübungen selbst.

Um die Effekte der Hitze genau zu untersuchen, teilten die Mediziner 80 Teilnehmer ihres Experiments in drei Gruppen auf. Ein Drittel praktizierte Bikram Yoga in der heißen Variante bei 40,5 Grad Celsius. Ein anderes Drittel übte die gleiche Folge von Yoga-Posen ein, allerdings bei 23 Grad. Insgesamt trainierten die Teilnehmer zwölf Wochen lang jeweils drei Mal 90 Minuten in der Woche. Die restlichen Teilnehmer behielten ihren Lebensstil bei. Alle Teilnehmer hatten vor dem Experiment kaum Sport getrieben. So wollten die Forscher besonders viel über den Einfluss von Yoga auf die Gesundheit von eher unsportlichen Menschen lernen.

Gut für die Blutgefäße

Die Wissenschaftler untersuchten dabei, wie stark sich die Gefäße der Teilnehmer nach den zwölf Wochen erweiterten und damit ihre Durchblutung verbesserte. Vor allem im Alter verlieren Blutgefäße an Dehnbarkeit, damit steigt etwa die Gefahr, dass Arterien verkalken oder Herzkrankheiten entstehen. Wie sich zeigte, verbesserte sich in beiden Yoga-Gruppen die Dehnbarkeit der Blutgefäße deutlich. Allerdings beobachteten die Forscher keine wesentlichen Unterschiede zwischen "heißer" und "kalter" Gruppe. Es sei also nicht notwendig, Yoga bei hohen Temperaturen zu treiben, Raumtemperatur reiche aus. Vor allem für ältere Yogi könnte das ein wichtiger Befund sein, da es im Alter meist ratsamer ist, sich nicht zu hohen Temperaturen auszusetzen.

Als entscheidend für den Trainingserfolg sehen die Forscher die 26 Yoga-Posen selbst an, die bei beiden Gruppen identisch waren, sowie das relativ intensive Training drei Mal pro Woche. Erwartungsgemäß blieb die Durchblutung derjenigen, die in den zwölf Wochen des Experiments nicht trainiert hatten, gleich schlecht. Signifikante Gewichtsveränderungen beobachteten die Mediziner übrigens bei keiner der Gruppen.

Neben flexibleren Blutgefäßen sind weitere positive Effekte von Yoga-Übungen für den Körper belegt, etwa für Muskeln, Gelenke und Konzentrationsfähigkeit. Allerdings sollten Trainierende es nicht übertreiben. Zu großer Ehrgeiz und falsch angewandte Techniken gelten als Hauptgründe für Verletzungen beim Yoga.

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