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Hebammen:Auch Patienten können von den Hebammen lernen

Hebammen können Ärzte nicht ersetzen. Die meisten Frauen in Deutschland gebären ihre Kinder aus gutem Grund in Kliniken. Sie sind gottfroh, dass, wenn ein Baby plötzlich zu wenig Sauerstoff hat, es ein Ärzteteam in sieben Minuten per Kaiserschnitt holt. Viele Frauen nutzen auch dankbar die medizinische Schmerzlinderung. "Unter Schmerzen sollst du gebären", sagt der strafende Gott bei der Vertreibung aus dem Paradies. Dank der modernen Medizin geht es heute anders.

Doch wo Hebammen fehlen, geht ein Wissen verloren. Das zeigen Berichte aus den USA, wo das Hebammenwesen in den 1960er-Jahren fast ausgestorben war, und plötzlich zwei Drittel aller Kinder per Zangengeburt zur Welt kamen. Ärzte greifen häufiger in den Geburtsprozess ein, auch in Deutschland. In hebammengeführten Kreißsälen kommt es nachweislich seltener zu Kaiserschnitten - bei gleicher Gesundheit von Mutter und Kind. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von Hebammen und Schulmedizin, es geht um ein Miteinander. Die Geburtshilfe braucht die Hebammen, und die Medizin insgesamt kann von ihnen lernen.

Man muss den medizinischen Fortschritt nicht verteufeln. Die vielen künstlichen Hüften sind ein Glück für alle, die wieder schmerzfrei laufen können. Dies beantwortet aber nicht die Frage, wie viel Therapie den Kranken wirklich dient - und wo Aktionismus das Eingeständnis der eigenen Ohnmacht verdrängt. Bei sterbenskranken Menschen wird dies besonders deutlich. Auch Patienten können sich da etwas von den Hebammen abgucken. Denn manchmal sind es die Kranken selbst, die auf weitere Behandlung drängen. Gehörten früher Schmerzen zum Alter dazu, kann heute manch ein 80-Jähriger kaum hinnehmen, dass er das Skifahren aufgeben muss.

Was man von den Hebammen lernen kann: Nicht alles, was medizinisch machbar ist, ist auch gut für den Menschen. Das gilt in allen Phasen eines Lebens, von der Geburt bis zum Alter.

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