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Hautkrebs-Risiko:Sieben Mythen über den Sonnenschutz

Wer Sonnencreme verwendet ist sicher? Und erst mit Sonnenbränden steigt die Hautkrebsgefahr? Beim Thema Sonnenschutz gibt es gefährlich viel Irrglaube. Was Sie wissen sollten, wenn Sie das lang ersehnte Sommerwetter genießen wollen.

Sonnenschäden eines Kraftfahrers

Sonnenschäden eines Kraftfahrers: Dieses Foto wurde im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.

(Foto: New England Journal of Medicine)

Wer noch einen Nachweis braucht, dass zu viel Sonne die Haut schädigt, muss sich nur ein Foto ansehen: Ein Mann fuhr 28 Jahre lang einen Lieferwagen. Die Strahlen, die auf der Fahrerseite durch das Fenster drangen, ließen die Haut des 69-Jährigen extrem altern - aber nur auf der linken Seite.

Und das ist noch eine vergleichsweise harmlose Folge der UV-Strahlung. Allein in Deutschland erkranken etwa 15 000 Menschen pro Jahr an einem Melanom, dem gefürchteten Schwarzen Hautkrebs. Rechnet man auch andere Hautkrebsformen und -vorstufen hinzu, kommt man den Krebsregistern zufolge auf fast 200 000 neue Fälle jährlich. Durch Sonnenschutz lassen sich diese Erkrankungen zumindest teilweise verhindern - wenn man Fakten und Fiktionen trennt. Sieben fatale Mythen über den Schutz der Haut.

Die Deutschen wissen Bescheid

Das darf bezweifelt werden. Exemplarisch für die Wissenslücken vieler Deutscher kann eine Studie der Universität Erlangen gelten, bei der mehr als 2500 Familien aus der Stadt und ihrem Umland befragt wurden. Das Ergebnis: Nur 41 Prozent konnten die Gefahren der UV-Strahlung richtig einschätzen.

Eine der großen Fehlannahmen vieler Familien war, dass Sonnenschutz nur im Urlaub wichtig sei. Während knapp 80 Prozent aller Eltern ihr Kind am Ferienort mehrmals täglich mit Sonnenschutzmitteln eincremten, taten dies im heimischen Garten nur 30 Prozent. Auch andere Maßnahmen zum Sonnenschutz erachteten Familien im Heimatort für weniger wichtig.

Die Forscher halten dies für bedenklich, denn pro Jahr bekommen Kinder im Schnitt eine dreimal so hohe Sonnendosis ab wie Erwachsene. Der Großteil davon entfällt nicht auf die wenigen Urlaubswochen, sondern auf den Alltag.

Kein Sonnenbrand - kein Hautkrebs

Die genauen Mechanismen, durch die Melanome entstehen, sind nach wie vor nicht ganz klar. Heute gehen Wissenschaftler aber davon aus, dass nicht allein einzelne Überdosen an Sonne, wie beim Sonnenbrand, verantwortlich sind. Gefährlich wird es auch, wenn sich UV-Strahlung über Jahre langsam, aber stetig auf eine hohe Gesamtdosis summiert. "Beides scheint eine Rolle zu spielen und zu unterschiedlichen Formen des Melanoms zu führen", sagt Axel Hauschild, Leiter der Arbeitsgruppe Dermatologische Onkologie am Universitätsklinikum Kiel.

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Beim Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), einem weiteren bösartigen Hauttumor, haben etliche Beobachtungen einen klaren Zusammenhang gezeigt: Wer sich jahrelang sehr viel in der Sonne aufhält, erkrankt mit zunehmendem Alter häufiger an dieser Krebsform - und dies offenbar auch, wenn er keine Sonnenbrände erlitten hatte.

Auch beim Basaliom, der häufigsten aber weniger aggressiven Hautkrebsart, scheint es in vielen, aber nicht in allen Fällen, eine solche Korrelation zu geben.

Sonnencreme schützt am besten vor Hautkrebs

Es gibt keinen gesicherten Nachweis, dass Sonnencreme vor dem Melanom und dem Basaliom schützt. Möglicherweise reduziert sie die Gefahr des selteneren Plattenepithelkarzinoms. Sicher ist, dass keine Schutzlotion das gesamte Spektrum der UVA- und UVB-Strahlung abdeckt. Welcher Anteil dieser Strahlungen aber in welchem Maße zum Hautkrebs beiträgt, ist noch nicht geklärt.

Die Fachgemeinschaften vieler Länder - auch Deutschlands - sehen Sonnencreme daher nur an dritter Stelle des Hautschutzes. In erster Linie empfehlen sie, die Sonne zur Mittagszeit zu meiden und körperbedeckende Kleidung zu tragen. Menschen, die sich sehr viel im Freien aufhalten oder besonders empfindliche Haut haben, sollten spezielle UV-Schutzkleidung tragen.

Eingecremt kann man keinen Sonnenbrand bekommen

Sonnencremes vermeiden Sonnenbrände - aber nur wenn sie korrekt angewendet werden. Daran aber hapert es bei vielen Sonnenanbetern. Studien haben gezeigt, dass die meisten Menschen viel zu wenig Sonnencreme auftragen. Sie verwenden nur ein Viertel bis die Hälfte der wirksamen Dosis. Sonnencreme sollte mindestens einen Lichtschutzfaktor von 15 haben und dick aufgetragen werden.

Und egal, was das Etikett verspricht, Wasser wäscht die Cremes zumindest in Teilen weg. Laut Stiftung Warentest darf sich ein Sonnenschutzmittel "wasserfest" nennen, wenn nach zweimal 20 Minuten Baden noch die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden ist. Es ist daher ratsam, sich nach jedem Bad neu einzucremen. Guten Schutz bieten übrigens auch günstige Cremes vom Discounter.

Nachcremen bedeutet allerdings nicht, dass sich der Schutz immer wieder verlängert. Das erneute Auftragen der Lotion erhält ihn lediglich.

Entgegen landläufiger Annahme kann auch ein extrem hoher Lichtschutzfaktor die Strahlung nicht unbegrenzt abblocken. Jenseits des Faktors 50 ist kein nennenswerter zusätzlicher Schutz mehr zu erwarten. In Europa werden derartige Produkte daher auch pauschal mit der Angabe "50+" versehen. In einigen anderen Ländern werben Hersteller allerdings mit einem höheren Faktor wie 80 oder 100. Wer solche Mittel im Urlaub kauft, ist nicht besser geschützt als mit den heimischen "50+"-Präparaten.

Vorbräunen vermeidet Hautschäden

Natürliche Bräunung bietet nur einen geringen Schutz vor Sonnenschäden, wie unter anderem eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz gezeigt hat. Arbeiter, die sich ab März an die Sonne gewöhnten, hatten am Ende des Sommers einen Schutz erreicht, der einer Sonnencreme mit Faktor 1,5 entsprach.

Besonders ungünstig ist das Vorbräunen in Solarien. Zwar können Sonnenbänke, die sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung aussenden, unter Umständen die Gefahr eines Sonnenbrandes senken.

Doch die Hautkrebsgefahr ist - wie bei der Sonnencreme - nicht gebannt. Im Gegenteil: Die Strahlung der Sonnenbänke ist mindestens ebenso krebserregend wie das natürliche Pendant. Laut Bundesamt für Strahlenschutz steigt das Risiko an Hautkrebs zu erkranken um bis zu 75 Prozent, wenn bereits vor dem 30. Lebensjahr regelmäßig ein Solarium besucht wird.

Wolken und Wasser halten UV-Strahlung fern

Wolken schützen kaum vor UV-Strahlung: Bis zu 90 Prozent können hindurchgelangen. Auch ins Wasser dringen Sonnenstrahlen ein. In einem Meter Tiefe hat die UVA-Strahlung noch 75 Prozent und die UVB-Strahlung noch 50 Prozent ihrer ursprünglichen Stärke. Im Schatten ist immerhin noch die Hälfte der UV-Strahlung vorhanden.

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Sonnenschutz führt zu Vitamin-D-Mangel

Vitamin D wird unter Einfluss von UV-Strahlung gebildet. Daher taucht immer mal wieder die Sorge auf, ein intensiver Schutz der Haut könne letztlich die Vitamin-D-Produktion behindern.

Der Kieler Dermatologe Axel Hauschild nennt solche Befürchtungen übertrieben. Vitamin D-Mangel kommt allenfalls bei Menschen vor, die aufgrund von Krankheit oder hohem Alter nicht mehr ausreichend ins Freie gelangen. Zudem wiegt das Risiko, Hautkrebs zu bekommen, schwerer als die Gefahr, einen Vitamin-D-Mangel zu erleiden. Denn der kann mit entsprechenden Präparaten ausgeglichen werden. Bei einem fortgeschrittenen Schwarzen Hautkrebs aber gibt es oft keine Heilung mehr.

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