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Gesundheit - Magdeburg:Psychiatrieausschuss: Wartelisten explodieren, mehr Notfälle

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Magdeburg (dpa/sa) - Die Corona-Pandemie hat gravierende Folgen für die psychiatrische Versorgung in Sachsen-Anhalt. Viele Einrichtungen hätten die Zahl der Patienten massiv heruntergefahren während des Lockdowns und seien bis heute nicht wieder voll belegt, sagte der Vorsitzende des Psychiatrieausschusses des Landes, Hans-Henning Flechtner, am Mittwoch in Magdeburg. "Wir haben explodierende Wartelisten und mehr Fälle in den Notaufnahmen." Es handele sich etwa um suizidale Patienten und solche mit Psychosen. Oftmals spitzten sich Fälle zu, es komme nicht mehr zu einer geplanten Aufnahme, sondern zu einem Notfall.

Die Vorgehensweisen in den Kliniken seien sehr unterschiedlich gewesen. Einige hätten versucht, möglichst viele Betten zu belegen, andere hätten stark reduziert. Es sei verstärkt auf Video und Sprechstunden am Telefon gesetzt worden, das sei unter Umständen aber sehr schwierig. "Wenn man persönlichen Kontakt nur noch über Medien halten kann, wird es nicht einfacher", sagte Flechtner, der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Magdeburg ist.

Flechtner, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin des Kindes- und Jugendalters in Magdeburg, berichtete von einer aktuellen Belegungsquote von unter 50 Prozent. Das Hygienekonzept, die Testung auf das neuartige Coronavirus und die personelle Situation ließen es nicht anders zu. Einen kompletten Überblick über das Land habe der Psychiatrieausschuss noch nicht.

Was aber alle betreffe, sei der Wegfall des finanziellen Ausgleichs für coronabedingt nicht belegte Betten. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Kliniken waren bis heute im Prinzip tragbar. Heute laufen die Kompensationen aus, ab morgen ist eine andere Situation", sagte Flechtner. Die systematische Kompensation endet am 30.9. "Wie es weitergeht, wissen wir nicht."

Flechtner wies zudem darauf hin, dass ab dem kommenden Jahr Sanktionen auf die Kliniken zukommen, wenn sie bestimmte Personaluntergrenzen nicht einhalten. Die Krankenkassen könnten dann Geld einbehalten. "Alle hatten gehofft, dass es durch dieses Corona-Jahr 2020 nochmal verschoben wird", sagte Flechtner. Aktuell sehe es aber nicht danach aus und so werde die Situation massive Auswirkungen auf die Kliniken haben. Er erwarte große Probleme.

"Die meisten Kliniken werden sich damit noch gar nicht so intensiv auseinandergesetzt haben, dass sie genau sagen können, was das bedeutet, welches Personal sie für 2021 vorhalten müssen." In seiner Klinik in Magdeburg sei die personelle Ausstattung hervorragend. "Wir werden aber allein im Pflegebereich in der Größenordnung von 15 Stellen plus mehr besetzen müssen, die wir nicht haben."

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