G-7-Beschluss Auf Elmau gegen Ebola

Ein Kind spielt in Nairobi hinter einem Mückennetz. Noch immer sterben viele Menschen nach Stichen an Malaria oder Denguefieber.

(Foto: dpa)

Ein Wochenende warme Worte: Hilfsorganisationen kritisieren die unkonkreten Ideen des G-7-Gipfels im Kampf gegen Seuchen und Bakterien. Immerhin: Eine exakte Zahl schreiben Merkel und Obama dann doch ins Protokoll.

Von Felix Hütten

Schluss mit Ebola, Schluss mit vermeidbaren Krankheiten, Schluss mit Antibiotika-Missbrauch: Die Regierungschefs der G7 haben sich auf Schloss Elmau auf mehr Engagement zum Thema "Globale Gesundheit" verständigt. Kritiker sehen in den Entscheidungen der G7 zum Thema Gesundheit einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sei die Welt nach Elmau nicht besser auf die nächste große Gesundheitskrise vorbereitet und weiterhin nicht in der Lage, tausende Menschenleben zu retten, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen.

Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von Tropenkrankheiten betroffen

Die Regierungschefs kündigten an, ihren Kampf gegen Seuchen und Tropenkrankheiten auszubauen. Insbesondere westafrikanischen Länder wollen die Industrienationen im Kampf gegen Ebola unterstützen. Wie genau diese Unterstützung aussieht, erklären die G7-Politiker allerdings nicht in ihrer Abschlusserklärung. Sehr konkret werden sie nur bei der Zahl Null: Man sei fest entschlossen, die Ebola-Fahlzahlen auf null zu reduzieren.

Dazu solle die Weltgesundheitsorganisation WHO gestärkt werden und mehr Personal zur Verfügung stehen, sollte es zu einem erneuten Ausbruch kommen. Auch im Kampf gegen vernachlässigte Krankheiten planen die G7 mehr Investitionen - konkrete Beträge aber wurden nicht genannt. Dabei ist das Problem eklatant: Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von Tropenkrankheiten wie Lepra oder dem Dengue-Virus betroffen. Das Ziel der G7: In fünf Jahren sollen die so gennanten vernachlässigten Krankheiten ausgerottet sein.

Grundlagenforschung fördern, um neue Wirkstoffe zu entwickeln

Ein weiteres wichtiges Thema auf Elmau war die zunehmende Antibiotikaresistenz bei Patienten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bereits vor dem Gipfel für das Thema stark gemacht. Experten der WHO warnen vor der steigenden Gefahr durch Bakterien, die mit herkömmlichen Medikamenten nicht mehr zu besiegen sind.

Auf Elmau einigten sich die G7-Staaten deshalb auf den "One Health"-Ansatz: Man wolle alle Bereiche der Gesundheit, also Mensch, Tier und Landwirtschaft, einbeziehen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. Die Staats- und Regierungschef sprechen sich zudem für Grundlagenforschung aus, um neue Wirkstoffe zu entwickeln.

Anfang Oktober treffen sich die G7-Gesundheitsminster in Berlin, um über weitere Ideen zur globaler Gesundheit zu beraten. Auch über Ebola und den Einsatz von Antibiotika wollen die Minister erneut diskutieren.

"Konkrete finanzielle Zusagen fehlen"

Die Hilfsorganisation medico international bemängelt, dass die G7-Politiker beim Thema Ebola über Schnelleingreiftruppen diskutieren, weniger aber über einen Ausbau öffentlicher Gesundheitssysteme. Die Ebola-Epidemie sei Ausdruck einer schlechten Gesundheitsversorgung, besonders von armen Menschen, sagt Anne Jung von medico international. Um Ebola wie auch die Gefahr von Antibiotikaresistenz in den Griff zu bekommen, müssten deshalb die öffentlichen Gesundheitssysteme gestärkt werden, fordert medico-Geschäftsführer Thomas Gebauer.

Philipp Frisch von Ärzte ohne Grenzen kritisiert die schwammingen Zugeständnisse der G7 in globalen Gesundheitsfragen: "Konkrete finanzielle Zusagen für mehr Forschungsförderung fehlen." Auf nationaler Ebene müsse die Bundesregierung nun Taten folgen lassen und 25 Millionen Euro pro Jahr im Kampf gegen vernachlässigte Krankheiten investieren, so Frisch.