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Feinstaub:Internationale Lungenärzte befürworten Grenzwerte

Feinstaub und Stickstoffoxide - Messgerät zur lufthygienischen Überwachung in Hannover

Messgerät zur Überwachung der Luft.

(Foto: dpa)
  • Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) hält Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft für sinnvoll.
  • Damit widersprechen sie einer Gruppe deutscher Lungenfachärzte.
  • Die Debatte hat auch zu Streit in der Koalition geführt.

Internationale Lungenfachärzte mischen sich in die Debatte um Grenzwerte für Feinstaub in Deutschland ein. Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) stimme den nationalen deutschen Standards, den europäischen Standards und denen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nachdrücklich zu, heißt es in einer Stellungnahme in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Damit widersprechen die Experten einer Gruppe deutscher Lungenfachärzte, die in der vergangenen Woche den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide angezweifelt hatte. Die Schadstoffbelastung der Luft schädige nach Einschätzung der Gruppe internationaler Fachärzte nicht nur die Lunge, sondern auch andere Organe und verschlechtere chronische Erkrankungen. Die Grenzwerte seien so gewählt, dass selbst für chronisch Kranke wesentliche negative Effekte auf die Gesundheit ausgeschlossen werden können.

"FIRS unterstützt deshalb nachdrücklich internationale Standards. Jede Aktivität für eine saubere Luft fördert die Gesundheit", heißt es in der Stellungnahme. FIRS ist ein Zusammenschluss verschiedener internationaler pneumologischer Fachverbände. Angeführt wird er derzeit von Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Eine Gruppe von Lungenspezialisten um Dieter Köhler, den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), hatte am vergangenen Mittwoch die Debatte um die Stickoxid- und Feinstaubgrenzwerte angestoßen - und deren gesundheitlichen Nutzen bezweifelt. Sie sähen keine wissenschaftliche Begründung, die die geltenden Werte rechtfertigen würden. Die Grenzwerte sind Grundlage für Dieselfahrverbote in einigen deutschen Städten.

Die Transparenzinitiative Lobby Control wies darauf hin, dass es sich bei einem der Verfasser der Stellungnahme um einen früher beim Autobauer Daimler beschäftigten Motorenentwickler handle, der heute an einem Technologieinstitut in Karlsruhe arbeite.

Koalition streitet über Abgasgrenzwerte

Die Position der Gruppe um Köhler stehe in wesentlichen Teilen in deutlichem Widerspruch zu den von pneumologischen Fachgesellschaften und Berufsverbänden publizierten Stellungnahmen zur Relevanz von Luftschadstoffen für die Gesundheit, hieß es am Samstag auch vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP).

Angesichts der Aussagen der Lungenärzte um Dieter Köhler hatte auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Grenzwerte in Frage gestellt - was auf heftigen Widerstand beim Koalitionspartner SPD gestoßen war. Es trage nicht zur "Versachlichung und erst recht nicht zur Lösung von Problemen bei, wenn wir jetzt bei jedem einzelnen Debattenbeitrag die Grenzwerte grundsätzlich infrage stellen", sagte Umweltministerin Svenja Schulze der Süddeutschen Zeitung.

Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter verteidigte die Grenzwerte. Der Großteil der Wissenschaftler und Lungenärzte sei sich einig, dass Stickoxide schädlich seien, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Auf Basis dieser wissenschaftlichen Untersuchungen seien Gesetze gemacht worden, an die sich auch ein Verkehrsminister halten müsse. Hofreiter warf Scheuer vor, er offenbare ein "problematisches Rechtsstaatsverständnis".

© SZ.de/dpa/AFP/dit
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