Ebola:"Ich sah, wie sich die anderen aufgaben, hörte, wie sie um den Tod bettelten"

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Eine, die Ebola überlebt hat, ist Jessica Sampson. Die 29-Jährige in Poloshirt und Jeansrock steht auf einem Parkplatz im Zentrum und plaudert mit zwei Arbeitskollegen. Vor zwei Wochen hat sie ihren Verlobten geheiratet, sie zeigt stolz ihre Hand, an der ein ziemlich großer Ring funkelt, zückt das Handy, wischt über die Fotos von sich in weißem Kleid. Wenn sie sich mit Namen vorstellt, kichert sie kurz: "Jessica Sampson, neuerdings!" Vor einem Jahr noch rang sie mit dem Tod.

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Jessica Sampson bekommt gegen die Spätfolgen Medikamente.

"Ich dachte anfangs, das sei eine schwere Malaria", erzählt die junge Frau. Sie legte sich ins Bett, nahm die üblichen Medikamente, doch das Fieber ging nicht runter. Irgendwann dämmerte es ihr. Wenige Tage zuvor hatte sie sich um den kranken Bruder ihres Verlobten gekümmert, der hatte über Kopf- und Gliederschmerzen geklagt. Ihr Verlobter besorgte sofort ein Taxi, brachte sie zu einer Ebola-Station. Einen Tag später kam ihr Testergebnis. Positiv.

"Ebola ist keine gute Krankheit", sagt Sampson nur. Fast zwei Wochen verbrachte sie im Behandlungszentrum. Um sie herum starben die Menschen einfach weg. "Ich sah, wie sich die anderen aufgaben, hörte, wie sie um den Tod bettelten", erzählt Sampson. Nach zehn Tagen ging es ihr langsam besser. Sie hatte Glück. Als sie sich infizierte, gab es zwar immer noch kein Mittel gegen Ebola, dafür aber mehr Ärzte, mehr Pfleger, mehr Betten als zu Beginn des Ausbruchs. Im Herbst 2014 überlebte fast die Hälfte der Kranken die Infektion mit dem gefährlichen Virus.

Am 9. November wurde Sampson aus dem Behandlungszentrum entlassen. Die Christin ist fest davon überzeugt, dass Gott sie nicht ohne Grund gerettet hat. "Er wollte mir die Kraft geben, mich für andere einzusetzen", glaubt sie.

Deshalb steht sie heute hier, auf diesem Parkplatz. Gleich wird sie mit ihren Kollegen in einen Jeep steigen, der sie ins Landesinnere, nach Bomi, bringt. Seit Januar arbeitet Jessica Sampson als Sozialarbeiterin. Ihr Arbeitgeber, die Organisation Resh, kümmert sich um Kinder, die Ebola überlebt oder ihre Eltern durch die Krankheit verloren haben. In der Provinz Bomi sind es besonders viele. Resh hat in der Provinzhauptstadt eine Kindertagesstätte für diese Kinder gegründet, zwei Mal im Monat fährt Sampson hin.

Seit ihrer Entlassung hat sie heftige Schmerzen in den Beinen, vor allem in den Knien und Knöcheln. Auch der Kopf tut ihr weh. Die Kliniken, die sich in Monrovia um Ebola-Überlebende kümmern, verzeichnen diese Symptome häufig bei ihren Patienten: Gelenkschmerzen, Taubheit in den Gliedern, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Viele klagen auch über Augen- und Ohrenprobleme, manche Männer über Impotenz.

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