bedeckt München

Sars-CoV-2:Wie weit sind die Corona-Impfstoffe?

(Foto: SZ-Grafik: Sarah Unterhitzenberger)

Mit Astra Zeneca hat ein weiterer Hersteller seine mit Spannung erwarteten Impstoffdaten vorgelegt. Wo dieses und andere Unternehmen stehen, welche Technologien am verbreitetsten sind, sehen Sie in unserem Impfstoff-Tracker.

Von Christoph von Eichhorn, Berit Uhlmann und Kathrin Zinkant

Nur Stunden, nachdem chinesische Forscher am 10. Januar 2020 den genetischen Code von Sars-CoV-2 veröffentlichten, begann in Labors weltweit die Arbeit an einem Impfstoff. Wohl noch nie in der Geschichte war die Zeitspanne zwischen Entdeckung eines Krankheitserregers und der Suche nach einem Vakzin kürzer - und die Dimension des Unterfangens größer: Rund 250 Impfstoffkandidaten werden derzeit untersucht, Hunderte Institute und Unternehmen sind beteiligt. "Nie zuvor haben so viele Wissenschaftler so intensiv daran gearbeitet, eine Pandemie einzudämmen", sagt etwa Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Beeindruckende Entwicklungen, die Hoffnung machen - in denen man aber auch leicht den Überblick verlieren kann, gerade wenn wissenschaftliche Daten von staatlicher Propaganda überlagert, verzerrt und politisch ausgeschlachtet werden, zu sehen etwa beim russischen Impfstoffkandidaten "Sputnik V". Um im Rennen nach dem Impfstoff Erster zu sein, ermöglichen einige Staaten fragwürdige Abkürzungen durch den Zulassungsprozess, der aus gutem Grund strengen Regeln unterliegt.

Dieser Impfstoff-Tracker soll die bestmöglichen Informationen über die derzeit am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffe liefern: In welcher klinischen Phase befindet sich ein Vakzin, wer finanziert die Erprobung, wo werden Ergebnisse veröffentlicht? Was ist über die Versuche sonst bekannt? Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie der WHO, der Nichtregierungsorganisation Milken Institute oder der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Wir beschränken uns auf Impfstoffe, die mindestens die Phase II erreicht haben (mehr zu den einzelnen Studienphasen lesen Sie ganz am Ende des Artikels). Dass auch Impfstoffe der Phase I auftauchen, hat den Grund, dass einige Impfstoffstudien die Phasen I und II kombinieren.

Die verschiedenen Phasen der Impfstoff-Entwicklung

Präklinische Phase:

In dieser Phase werden Impfstoffe noch nicht am Menschen getestet, sondern im Labor und an Tieren. Eine Garantie, dass sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, gibt es nicht.

Klinische Phasen:

Der Ausdruck klinisch bedeutet bei Studien, dass ein Mittel an Menschen getestet wird, unabhängig davon, ob sich die Probanden tatsächlich in einem Krankenhaus aufhalten. In der Regel gibt es drei klinische Phasen bis zur Zulassung; während der Corona-Pandemie wurden bisweilen Phase I und II oder Phase II und III zusammengelegt.

  • Phase I: Der Impfstoffkandidat wird gewöhnlich an einigen Dutzend, meist jungen und gesunden Teilnehmern getestet. Es geht dabei vor allem darum, dessen Verträglichkeit zu prüfen. In der Regel bekommen die Teilnehmer eine langsam steigende Dosis verabreicht. Erste klinische Daten zur Wirksamkeit, etwa die Antikörperproduktion, können erhoben werden.
  • Phase II: Die Tests werden mit einer größeren Gruppe fortgesetzt. Oft nehmen Hunderte Menschen teil. Es geht darum, robustere Erkenntnisse zu gewinnen, um entscheiden zu können, ob sich die aufwändige nächste Phase lohnt.
  • Phase III: In dieser Phase geht es darum, die Wirksamkeit zu belegen. Spätestens jetzt werden die Kandidaten in eine Behandlungs- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Zuordnung erfolgt nach dem Zufallsprinzip; in der Regel wissen weder die Probanden, noch die sie begleitenden Wissenschaftler, wer welcher Gruppe angehört. Die Behandlungsgruppe bekommt dann den Impfstoff, die Kontrollgruppe dagegen einen Scheinwirkstoff. Dann wird verglichen, in welcher Gruppe mehr Infektionen auftreten. Ist das Vakzin effektiv, werden in der Behandlungsgruppe deutlich weniger Menschen erkranken. In diese Studienphase werden Tausende, bisweilen auch Zehntausende Menschen einbezogen. Je weniger heftig der Krankheitserreger zirkuliert, desto mehr Teilnehmer braucht die Studie, damit diese überhaupt eine Chance haben, dem Erreger auch zu begegnen. Zudem sollen durch die große Anzahl von Probanden auch seltene Nebenwirkungen erkannt werden. Außerdem sollen in dieser Phase möglichst unterschiedliche Menschen teilnehmen, um auch Aussagen über bestimmten Gruppen, etwa Ältere, treffen zu können.
  • Phase IV: Diese Phase bezeichnet die Beobachtung des Impfstoffs nach seiner Zulassung. Damit sollen auch extrem seltene Nebenwirkungen und die langfristige Wirkung des Vakzins erfasst werden.
© SZ.de/cvei/beu/zint

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite