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Coronavirus weltweit:Johnson: Lockdown wird möglicherweise verschärft

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  • Der britische Premierminister Boris Johnson spricht von weiteren Verschärfungen. Flächendeckende Schulschließungen gibt es zunächst aber nicht.
  • Auch in den USA wurden an einem Tag so viele Fälle gemeldet wie nie zuvor.
  • Die Niederlande wollen doch nicht erst am 18. Januar mit dem Impfen beginnen, sondern schon von der kommenden Woche an.
  • In Italien sollen die Skipisten erst am 18. Januar wieder öffnen.
  • Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus aus Deutschland.

In Großbritannien wird der Lockdown nach den Worten von Premierminister Boris Johnson möglicherweise verschärft. Es könne sein, dass in einigen Landesteilen härtere Maßnahmen ergriffen werden müssten, sagte er der BBC, "vor uns liegt eine harte Zeit". Am Montag seien 530 000 Dosen des AstraZeneca-Impfstoffes einsatzbereit. Er hoffe, dass im Laufe der nächsten drei Monate zig Millionen Dosen verabreicht werden könnten.

Die Schulen in London bleiben auch nach dem Ende der Weihnachtsferien vorerst flächendeckend geschlossen. Zu dieser Entscheidung sah sich die britische Regierung aufgrund hoher Infektionszahlen in der Hauptstadt gezwungen. In anderen Teilen des Landes sollten Grundschulen am Montag wieder öffnen. Johnson forderte Eltern auf, ihre Kinder dort auch wieder zum Unterricht zu schicken. Weiterführende Schulen sollen in den Wochen danach ebenfalls wieder öffnen - teilweise unter dem Einsatz von Massentests. "Schulen sind sicher", betonte Johnson mehrfach am Sonntag im Fernsehinterview. Bildung sei eine oberste Priorität seiner Regierung.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Großbritannien hatte am Samstag erneut einen Höchststand erreicht. Mehr als 57 700 Fälle wurden innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums in dem Land gemeldet - so viele wie noch nie zuvor. Gleichzeitig wurden 445 neue Todesfälle registriert.

Viele der Neuinfektionen werden auf eine neue, womöglich noch ansteckendere Virusvariante zurückgeführt. "Die Mehrheit der Fälle, die in London, dem Südosten und dem Osten Englands festgestellt werden, sind von der neuen Variante", hieß es in einer Mitteilung der Regierung.

Krankenhäuser in London kommen Berichten zufolge an ihre Kapazitätsgrenzen. Patienten werden demnach auf Fluren untergebracht oder müssen stundenlang in Krankenwagen warten, bis ein Bett frei wird. Der Präsident des britischen Ärzteverbands Royal College of Physicians, Andrew Goddard, riet Kliniken landesweit, sich auf ähnliche Verhältnisse vorzubereiten. "Diese neue Variante ist definitiv ansteckender und breitet sich im ganzen Land aus", sagte er der BBC.

Corona-Rekord in den USA: Fast 300 000 neue Fälle an einem Tag

In den USA hat die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Fälle einen neuen Höchststand erreicht. Am Samstag meldeten die Behörden 299 087 Fälle, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Sonntagmorgen (MEZ) hervorging. Der bisherige Rekord war am 18. Dezember mit 249 664 Neuinfektionen registriert worden. Zugleich wurden am Samstag 2398 Tote mit einer bestätigten Corona-Infektion verzeichnet. Der bisherige Höchststand war am 30. Dezember mit 3750 erreicht worden.

Aufgrund von Reisen und Familientreffen nach Thanksgiving Ende November und über Weihnachten hatten Gesundheitsexperten vor einem deutlichen Anstieg der Infektionszahlen gewarnt. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang rund 20,4 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 350 000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen werden die Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten - nachträglich aktualisiert.

Niederlande impfen früher als geplant

Unter starkem Druck von Medizinern und Öffentlichkeit wollen die Niederlande den Impfstart nun doch vorziehen. Zunächst sollen 30 000 Mitarbeiter in Krankenhäusern gegen das Coronavirus geimpft werden, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag in Den Haag mit. In der kommenden Woche solle in zehn Kliniken damit begonnen werden. Über den genauen Termin soll am Montag entschieden werden. Die Niederlande sind das einzige Land der EU, das noch nicht impft.

In einer Lagerhalle in Oss im Osten des Landes liegen seit Tagen ungenutzt rund 175 000 Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Ursprünglich sollte nach einem symbolischen Start am 8. Januar erst am 18. Januar landesweit in 25 Zentren geimpft werden. Zunächst sollten nur Pflegeheim-Mitarbeiter geimpft werden. Das Klinikpersonal sollte erst sehr viel später an der Reihe sein. Das Ministerium hatte bisher einen früheren Impftermin als nicht ausführbar abgewiesen.

Vertreter der Krankenhäuser und Intensivstationen hatten jedoch gefordert, so schnell wie möglich die Mitarbeiter der akuten medizinischen Versorgung zu impfen. Krankenhäuser können dem Druck kaum noch standhalten. Durch zunehmende Patientenzahlen und starke Ausfälle beim Pflegepersonal stoße die medizinischen Versorgung an ihre Grenzen.

Italien verschiebt Wiedereröffnung von Skipisten

Italien verschiebt die Wiedereröffnung seiner Skipisten. Statt am 7. Januar sollen die Lifte erst am 18. Januar wieder anlaufen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Pisten waren über Weihnachten und Neujahr geschlossen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Italien hat sich seit Mitte November zwar auf nunmehr etwa über 20.000 halbiert. Allerdings sterben immer noch Hunderte Menschen jeden Tag.

Indien lässt Vakzin von Astra Zeneca als ersten Impfstoff zu

Indien gibt den von Astra Zeneca und der Universität Oxford entwickelten Corona-Impfstoff per Notfallzulassung frei. Das bestätigt die Regierung. Es ist der erste Impfstoff, der in Indien eingesetzt werden darf. Damit ist der Weg frei für eine breit angelegte Impfkampagne in dem Land, das mit 1,35 Milliarden Einwohnern die zweitgrößte Bevölkerung weltweit hat. In den ersten sechs bis acht Monaten sollen 300 Millionen Menschen geimpft werden. Mindestens drei weitere Impfstoffe warten der Regierung zufolge noch auf ihre Zulassung. Indien verzeichnet über zehn Millionen nachgewiesene Ansteckungsfälle, das ist weltweit der zweithöchste Wert nach den USA.

Biontech will mehr Impfstoff an die Europäische Union liefern

Der Mainzer Hersteller Biontech will mehr Impfstoff als geplant an die Europäische Union liefern. Das Unternehmen befinde sich "in fortgeschrittenen Diskussionen, ob und wie wir weitere Impfstoffdosen aus Europa für Europa in diesem Jahr zur Verfügung stellen können", teilte Unternehmenschef Uğur Şahin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. "Aufgrund der aktuell hohen Infektionszahlen ist eine zügige Impfstoffversorgung besonders wichtig", fügte Şahin hinzu. "Wir arbeiten mit der EU zusammen, um unsere Produktionskapazitäten weiter auszubauen und zusätzliche Impfstoffdosen bereitstellen zu können."

Er verwies darauf, dass diese Woche mit der EU-Kommission vereinbart worden sei, weitere 100 Millionen Impfstoffdosen zu liefern. Dabei wurde eine im EU-Rahmenvertrag ohnehin vereinbarte Option gezogen: Fest bestellt waren zunächst 200 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs mit der Möglichkeit zum Kauf von 100 Millionen weiteren Einheiten. Diese Erweiterung wurde vor einigen Tagen vertraglich vereinbart, nachdem die EU-Staaten entsprechenden Bedarf angemeldet hatten.

Wie schnell nun ein Vertrag zu darüber hinausgehenden Lieferungen zustande kommen könnte und um welche Mengen es geht, wollte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage noch nicht sagen. Die EU-Kommission sprach ebenfalls nur davon, dass es "fortgeschrittene Gespräche" über weitere Lieferungen 2021 gebe. Bisher hat nur Biontech die Zulassung für den europäischen Markt.

Der Krebsforscher Şahin hatte zuvor im Spiegel über die Strategie der EU-Kommission gesagt: "Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert."

Das Unternehmen suche derzeit Kooperationspartner für den Ausbau der Produktion. "Aber es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten", sagte Şahin. "Ende Januar haben wir Klarheit, ob und wie viel wir mehr produzieren können." Im Spätsommer könne außerdem eine weiterentwickelte Impfstoffgeneration bereitstehen, die auch bei weniger starker Kühlung transportiert werden könne, sagte Şahin.

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Ob der Biontech-Impfstoff auch gegen eine in England aufgetauchte, möglicherweise deutlich ansteckendere Mutation des Virus wirke, werde derzeit untersucht: "Wir testen, ob unser Impfstoff auch diese Variante neutralisieren kann, und wissen bald mehr." Falls der Impfstoff dagegen nicht wirke, könne er "rein technologisch" relativ einfach angepasst werden, was vielleicht sechs Wochen dauern würde. Die Frage sei, ob die Zulassungsbehörden die bereits nachgewiesene Wirksamkeit und Sicherheit in diesem Fall weiter akzeptieren würden - andernfalls wäre eine neue Studie mit Zehntausenden Probanden nötig.

Mehr als 20 Millionen Corona-Infektionen in den USA

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in den USA mehr als 20 Millionen Infektionen mit dem Virus nachgewiesen worden. Das entspricht rund einem Viertel aller weltweit verzeichneten Ansteckungen mit dem Erreger Sars-CoV-2, wie am Freitag aus Daten der Universität Johns Hopkins in der US-Stadt Baltimore hervorging.

In keinem anderen Land der Welt gibt es in absoluten Zahlen so viele bestätigte Infektionen wie in den USA. In Indien liegt die Zahl demnach bei 10,3 Millionen, in Brasilien bei 7,7 Millionen. Experten gehen in den meisten Ländern von einer hohen Dunkelziffer aus.

In den USA leben rund 330 Millionen Menschen. Mehr als 346 000 Todesfälle in Verbindung mit der Erkrankung Covid-19 sind dort bekannt.

Die Webseite der Universität wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen werden die Zahlen nachträglich nach unten korrigiert.

Britische Ärzte-Verbände warnen vor Burnout des Krankenhaus-Personals

Britische Mediziner-Verbände haben angesichts der extrem angespannten Corona-Situation in Großbritannien vor einer Überlastung des Krankenhaus-Personals gewarnt. "Wir sind quasi auf Gefechtsstationen", sagte der Vize-Präsident des Royal College of Emergency Medicine dem Sender BBC am Freitag. "Es gibt große Sorgen wegen Burnouts." Zwar sei das Personal auf den Nofall- und Intensivstationen auf harte Zeiten vorbereitet, aber die Ärztinnen und Pfleger seien müde, frustriert und ausgelaugt, so wie jeder andere auch. An Neujahr meldeten die Behörden mehr als 53 000 neue Corona-Fälle in Großbritannien sowie 613 Todesfälle. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie mehr als 82 000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Durch eine neue und womöglich sehr ansteckende Virus-Variante, die sich vor allem in London und im Süden Englands derzeit sehr stark ausbreitet, steht Großbritannien besonders unter Druck. Notfall-Krankenhäuser werden bereits auf ihren Einsatz vorbereitet, da die Intensivstationen unter anderem in London überlastet sind. Mike Adams vom Royal College of Nursing's England warnte im Sender Sky News jedoch, es gebe nicht ausreichend Personal, um diese Krankenhäuser auch zu betreiben. Mittlerweile werden mehr Patienten in den Krankenhäusern mit Covid-19 behandelt als in der ersten Welle.

© SZ/dpa/Reuters/pak/dit/odg/gal/bix/jsa/saul/sebi
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Coronavirus - Großbritannien

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