Omikronvariante JN.1:Kommt da eine neue Welle?

Omikronvariante JN.1: Die WHO warnt vor einer neuen Coronavariante.

Die WHO warnt vor einer neuen Coronavariante.

(Foto: Dado Ruvic/REUTERS)

Eine neue Variante des Coronavirus breitet sich rasant aus. Die Weltgesundheitsorganisation hat JN.1 unter besondere Beobachtung gestellt.

Von Sina Metz

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Omikronvariante JN.1 "aufgrund der rasch zunehmenden Ausbreitung" zu einer "Variant of interest" erklärt. Das Risiko für die öffentliche Gesundheit durch dieses Coronavirus schätzt die Organisation derzeit jedoch als gering ein.

Die WHO geht davon aus, dass mit JN.1 die Zahl der Covid-19-Fälle weiter ansteigt inmitten einer Welle von Infektionen mit anderen viralen und bakteriellen Erregern, insbesondere in Ländern, in denen gerade Winter ist. Obwohl es mehr Fälle mit dieser Variante geben könnte, stelle JN.1 kein größeres Risiko dar als aktuell zirkulierende Varianten, sagt Andrew Pekosz, ein Virologe an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit JN.1 erstmals am 25. August in einer Probe nachgewiesen wurde, breitet sie sich immer stärker aus. Mitte Dezember machte die Variante bereits über ein Viertel (27,1 Prozent) der sequenzierten Genome von Coronaviren aus, die in der Genomdatenbank Gisaid gemeldet werden. Vier Wochen zuvor lag die Häufigkeit noch bei rund drei Prozent. In Deutschland wurde die Variante Anfang Dezember bereits mit 35 Prozent als die häufigste Coronavariante in Stichproben nachgewiesen, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht zu respiratorischen Erkrankungen.

In Anbetracht der vorliegenden Daten geht die WHO davon aus, dass die derzeitige Immunität der Bevölkerung weltweit sowie die Auffrischungsimpfung wirksam bleiben und gegen schwere Krankheitsverläufe schützen können, heißt es in der Erklärung.

Die neue Variante trifft auf ein Land, das ohnehin schon hustet, keucht und schnieft

Das Coronavirus mutiert immer wieder. Dabei können Varianten entstehen, die sich schneller ausbreiten, besser übertragbar sind oder geimpfte Menschen einfacher infizieren können. Sie verdrängen dann andere Varianten und können neue Infektionswellen auslösen. Die WHO beobachtet daher neu aufkommende Varianten. Als "Variant of interest" bezeichnet sie Varianten des Coronavirus, die sich offenbar schneller ausbreiten - wie jetzt JN.1. Besorgniserregend, also zu einer "Variant of concern", werden neue Varianten dann, wenn sie sich etwa als deutlich krank machender herausstellen, sich leichter übertragen lassen, der körpereigenen Immunabwehr leichter entgehen können oder Impfstoffe gegen sie weniger wirksam sind.

Zwar sieht die WHO Anzeichen dafür, dass JN.1 der menschlichen Immunabwehr besser entgehen kann als andere derzeit zirkulierende Varianten. Jedoch gebe es noch keine Anzeichen dafür, dass die Variante auffallend häufig zu schweren Krankheitsverläufen führt.

JN.1 war bereits als Teil der Omikron-Linie BA.2.86, auch "Pirola" genannt, eine "Variant of Interest". Sie unterscheidet sich durch eine zusätzliche Mutation im sogenannten Spikeprotein von der Omikron-Linie BA.2.86, von der sie abstammt. Die genetische Veränderung führt womöglich dazu, dass sich JN.1 der Immunantwort einfacher entziehen kann, heißt es in einer noch nicht von unabhängigen Fachleuten begutachteten Studie. Weil sich diese Variante jetzt rapide ausbreitet, hat die WHO sie nochmals separat als "von Interesse" eingestuft.

Bisher ist nicht bekannt, dass sich die Symptome von denen anderer Varianten unterscheiden, darunter Husten, Fieber, Schnupfen, Atembeschwerden, Müdigkeit, Muskel-, Hals- oder Kopfschmerzen, Geschmacks- oder Geruchsverlust, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Und wie bei anderen Varianten lauten die empfohlenen Maßnahmen: in überfüllten, geschlossenen Räumen eine Maske tragen, niemanden anniesen oder -husten, Schutzimpfungen auffrischen, bei Krankheit zu Hause bleiben und sich bei Symptomen testen.

Die neue Variante trifft auf ein Land, das ohnehin schon hustet, keucht und schnieft. Mehr als jeder Zehnte ist gerade oder war erst von einer akuten Atemwegserkrankung betroffen: von Covid-19, Erkältungen durch Rhinovirusinfektionen, RSV oder Grippe. Das RKI geht aktuell von rund 8,9 Millionen solcher Erkrankungen in Deutschland aus, ähnlich vielen wie im Vorjahr um diese Zeit. Bemerkenswert ist aber: Insbesondere bei Kindern im Schulalter und jungen Erwachsenen nehmen die Fälle zu, Kinder unter zwei Jahren kommen mit RSV vermehrt ins Krankenhaus.

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