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Corona-Maßnahmen:Die Vernunft hängt nicht am Alter

Mehr Besucher in  Alten- und Pflegeheimen

Mit dem Alter nimmt die Bereitschaft ab, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Senioren sind durch das neue Coronavirus besonders gefährdet. Doch schützen sie sich deshalb sorgfältiger als andere?

Von Christina Kunkel

Weltweit zeigen die Zahlen zur Corona-Pandemie, dass das Lebensalter ein wichtiges Kriterium ist, ob man eine Infektion mit Sars-CoV-2 gut übersteht oder möglicherweise daran stirbt. In Deutschland liegt der Altersmedian der Corona-Toten laut dem Robert-Koch-Institut aktuell bei 82 Jahren. Immer wieder ist deshalb von Strategien zu lesen, in erster Linie die Alten und Kranken zu schützen - sei es, indem man sie durch Isolationsmaßnahmen wie zum Beispiel in Seniorenheimen weitgehend von der Außenwelt abschirmt oder einfach darauf setzt, dass Risikogruppen eben schon selbst dafür sorgen, eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden.

Die dauerhafte, staatlich verordnete Isolation betagter Altersgruppen hat bisher kein Land wirklich in Erwägung gezogen - es wäre schließlich diskriminierend für die Betreffenden. Stattdessen setzt man vielerorts auf Eigenverantwortung: Altere Menschen sollten sich aus reiner Vernunft besonders strikt an Hygiene- und Abstandsregeln halten und ihre Kontakte stark reduzieren. Aber wie sehen das die Menschen selbst?

Jean-François Daoust, Wissenschaftler an der Universität in Edinburgh, hat Studien aus 27 Ländern ausgewertet, die sich mit den Einstellungen der Menschen zu Corona-Schutzmaßnahmen befassen. Die Befragungen waren vom Imperial College in London in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov unter mehr als 70 000 Menschen durchgeführt worden. Seine Ergebnisse fasst Daoust nun im Fachjournal Plos One zusammen. In den Interviews wurden die Teilnehmer unter anderem nach ihrer Bereitschaft zur freiwilligen Selbstisolation gefragt. Aber auch danach, ob sie Masken tragen, den öffentlichen Nahverkehr meiden oder ihre Hände regelmäßig desinfizieren.

Studien haben gezeigt, wie wichtig der Mund-Nasen-Schutz für den Kampf gegen Corona ist

Insgesamt gaben die Befragten zu 16 Maßnahmen an, ob sie sich freiwillig daran halten. Frühere Studien hatten noch darauf hingedeutet, dass ältere Menschen die Corona-Pandemie besonders ernst nehmen oder als Bedrohung empfinden. Eine Untersuchung aus Italien ergab, dass die Altersgruppe über 60 besonders pflichtbewusst und diszipliniert beim Einhalten der Corona-Regeln sei. In der Analyse der YouGov-Umfragen fand Jean-François Daoust jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem Alter und der Bereitschaft, sich grundsätzlich an Schutzmaßnahmen zu halten.

Schaut man sich jedoch die einzelnen Maßnahmen an, dann zeigen sich sehr wohl Unterschiede zwischen Jung und Alt. Während mit zunehmendem Alter immer mehr Menschen angaben, den öffentlichen Nahverkehr oder kleinere Versammlungen meiden oder keine Gäste mehr empfangen zu wollen, war die Bereitschaft zum Maske tragen bei den Senioren deutlich niedriger als bei Jüngeren. Besonders Menschen über 60 Jahre verzichten auf den Mund-Nasen-Schutz - obwohl zahlreiche Studien belegt haben, wie entscheidend dieser für die Eindämmung der Pandemie ist.

© SZ

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