EMA-Empfehlung:Corona-Impfung auch für Kleinkinder

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EMA-Empfehlung: Kleinkinder bekommen geringere Mengen von den Impfstoffen verabreicht. Je nach Hersteller sind zwei oder drei Pikse nötig.

Kleinkinder bekommen geringere Mengen von den Impfstoffen verabreicht. Je nach Hersteller sind zwei oder drei Pikse nötig.

(Foto: Ute Grabowsky/photothek.net via www.imago-images.de/imago images/photothek)

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Weg für die beiden Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna nun auch für Kinder ab sechs Monaten freigemacht. Die Entscheidung der Ständigen Impfkommission steht aus.

Von Christina Berndt

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg für zwei Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna frei gemacht, die jeweils ab einem Lebensalter von sechs Monaten verabreicht werden dürfen. Die Zustimmung der EU-Kommission steht zwar noch aus, aber sie gilt nach einem positiven EMA-Votum als Formsache.

Die Impfstoffe mit den Handelsnamen Comirnaty und Spikevax waren bereits für Erwachsene, Jugendliche und für Kinder ab fünf beziehungsweise sechs Jahren zugelassen, allerdings je nach Alter in unterschiedlicher Dosierung. Die neuen Impfstoffe für die ganz Kleinen enthalten nun noch einmal geringere Dosen, der Impfstoff von Biontech/Pfizer wird darüber hinaus in einer anderen Lösung hergestellt. Während beim Moderna-Vakzin für die Säuglinge und Kleinkinder zwei Spritzen reichen, sind bei Biontech/Pfizer drei nötig.

Nach Angaben der EMA-Fachleute haben die vorliegenden Daten zu den Impfstoffen gezeigt, dass auch Babys und Kleinkinder bei einer sehr geringen Dosis gut vor Covid-19 geschützt würden und in den ersten Wochen nach der Impfung auch vor einer Infektion. Nach einer Impfung könnten Müdigkeit auftreten, Appetitlosigkeit, Hautausschlag oder Schmerzen an der Einstichstelle. Diese Nebenwirkungen seien aber meistens sehr milde und dauerten nur wenige Tage. Die Experten der EMA werden weiterhin Sicherheit und Wirkung beider Impfstoffe beobachten und bewerten.

Die Ergebnisse sind schlechter als die zu den Impfstoffen für ältere Kinder und Erwachsene

Teile der Studiendaten zum Impfstoff von Moderna wurden mittlerweile in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht. Im Rahmen der Arbeit wurden 3040 Kinder zwischen 2 und 5 Jahren sowie 1762 Kinder zwischen 6 und 23 Monaten zweimal mit 25 Mikrogramm Spikevax geimpft. 1008 Kinder zwischen 2 und 5 Jahren sowie 593 zwischen 6 und 23 Monaten erhielten lediglich eine Scheinimpfung ohne Wirkstoff. Der Schutz davor, an Covid-19 zu erkranken (also über die bloße Infektion hinaus auch tatsächlich Symptome zu entwickeln), hielt sich allerdings in Grenzen. Er lag bei 37 Prozent unter den 2- bis 5-Jährigen und bei 51 Prozent unter den jüngeren Kindern.

Der relative Schutz errechnete sich aus folgenden absoluten Zahlen: In der älteren Kindergruppe kam es zu 119 Fällen von Covid-19 unter den 2594 Geimpften (4,6 Prozent) und zu 61 Fällen unter den 858 Placebo-Geimpften (7,1 Prozent). Von den 1511 jüngeren Kindern in der Studie waren trotz Impfung 51 symptomhaft an Covid-19 erkrankt (3,4 Prozent); unter den 513 Kindern, die lediglich die Placebo-Spritzen bekommen hatten, waren es 34 (6,6 Prozent). Rechnerisch wurde unter den älteren Kindern also etwas mehr als jeder dritte Fall (37 Prozent) und unter jüngeren Kindern jeder zweite Fall (51 Prozent) von Covid-19 durch die Impfung verhindert.

Die Ergebnisse sind damit deutlich schlechter als die der früheren Studien zu den Impfungen für ältere Kinder und Erwachsene. Die Moderna-Forschenden begründen dies damit, dass zum Zeitpunkt ihrer neuen Studie bereits die Omikron-Variante des Coronavirus kursierte, der Impfstoff wurde aber ebenso wie der Kleinkind-Impfstoff von Biontech/Pfizer noch gegen das ursprüngliche Coronavirus aus Wuhan entwickelt.

Ob der Bedarf in Familien mit gesunden Kindern groß ist, ist fraglich

Ob die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung für Kleinkinder gegen Covid-19 vor diesem Hintergrund überhaupt empfehlen wird, ist noch unklar. "Wir beraten noch dazu, wahrscheinlich werden wir im November entscheiden, ob wir eine Empfehlung aussprechen", sagt der Kinderarzt Martin Terhardt, Mitglied der Stiko. Es gebe einiges abzuwägen: So sei zwar die Gefahr, dass sich kleine Kinder mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 anstecken, extrem hoch; die Gefahr, dass sie dann ernster erkranken, hingegen eher gering. Nur äußerst selten erkranken kleine Kinder schwer an Covid-19, so Terhardt, das schwerwiegende Entzündungssyndrom PIMS, das in Deutschland knapp 1000 Kinder seit Pandemiebeginn im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung entwickelt haben, sei unter Omikron sehr viel seltener geworden als bei früheren Varianten. "Es hat zwar auch einige Todesfälle durch Covid-19 gegeben", so Terhardt, aber es seien ausnahmslose Kinder mit Vorerkrankungen etwa von Nervensystem, Herz oder Lunge betroffen gewesen.

"Solchen Kindern wird von Kinder- und Jugendärzten schon lange die Impfung angeboten, auch wenn es für kleine Kinder bisher noch keine Zulassung gab", sagt Terhardt. Sie bekommen dann eine niedrige Dosierung der bereits zugelassenen Kinder-Impfstoffe. Viele der gefährdeten Kinder seien daher längst geimpft. Es sei aber für Eltern und Kinderärzte leichter, diese Impfung zu bekommen und zu verabreichen, wenn es nun auch eine offizielle Zulassung gibt.

Ob der Bedarf in Familien mit gesunden Kindern groß ist, ist hingegen eher fraglich: Schon für die größeren Kinder zwischen fünf und elf Jahren ist der Wunsch nach einer Covid-19-Impfung gering. Nur 22,3 Prozent in dieser Altersgruppe sind in Deutschland einmal geimpft, 19,9 Prozent zweimal. Der Großteil der Kinder in Deutschland hat zudem längst die Infektion mindestens einmal durchgemacht, sodass viele Eltern die Notwendigkeit einer Impfung erst einmal nicht sehen.

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