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Corona-Vakzin:Modernas Impfstoff übertrifft Biontechs Kandidaten

Überraschend frühe Zwischenergebnisse des US-Herstellers deuten auf eine Wirksamkeit von fast 95 Prozent hin.

Von Kathrin Zinkant

Nur eine Woche ist es her, dass mit Biontech und Partner Pfizer die ersten Mitstreiter im Rennen um einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus hoffnungsvolle Zwischenergebnisse ihrer Wirksamkeitsstudie vorgelegt haben. An diesem Montag ist nun auch der amerikanische Biotechkonzern Moderna mit einer Interimsanalyse seines Vakzins an die Öffentlichkeit gegangen. Wie das Unternehmen mit Sitz in Cambridge, Massachusetts, mitteilt, hat der neuartige Impfstoff laut Zwischenbericht eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent und wirkt damit noch etwas besser als das Vakzin von Konkurrent Biontech.

Moderna hatte erst Ende Oktober bekannt gegeben, dass die letzten der 30 000 Teilnehmer der umfassenden Wirksamkeitsstudie, der sogenannten COVE-Study, die erste von zwei Impfungen erhalten hatte. Die nun vorgelegten Ergebnisse stützen sich auf die ersten 95 Fälle einer Covid-19-Erkrankung binnen zwei Wochen nach Gabe der zweiten Impfung. Davon traten 90 Fälle in der Placebogruppe auf, die nur einen Scheinimpfstoff erhalten hatte. Elf dieser Patienten erkrankten sehr schwer. In der tatsächlich geimpften Gruppe kam es zu fünf Erkrankungen, ein schweres Krankheitsbild trat hier laut Unternehmen nicht auf.

Ursprünglich wollte Moderna die erste Analyse nach 53 Fällen durchführen, doch offenbar nahm die Zahl der Erkrankungen in der ungeimpften Placebogruppe schneller zu als vermutet. Die Studie des US-Unternehmens ist auch deshalb von großem Interesse, weil sie eine ungewöhnlich hohe Zahl an Vorerkrankten und älteren Mitmenschen umfasst. Sie haben ein besonders hohes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken und sogar zu sterben. Eine Altersanalyse legte das Unternehmen zu den Zwischenergebnissen jedoch noch nicht vor.

Gleichwohl zeigen sich Experten zuversichtlich, dass der Impfstoff aufgrund der vorliegenden Nebenwirkungsdaten gut verträglich ist - und offenbar hochwirksam. "Es ist die erste Studie, die auch über schwere Fälle berichtet", sagt der Pharmakoepidemiologe Stephen Evans von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. "Und obschon noch Unsicherheit in den Ergebnissen steckt, ist die Abwesenheit schwerer Fälle in der Impfgruppe und zugleich das Auftreten von elf solch schweren Erkrankungen in der Placebogruppe ein sehr starker Beleg dafür, dass das Vakzin sowohl leichte als auch schwere Verläufe verhindert."

Evans streicht zudem einen weiteren Vorteil des Moderna-Impfstoffs heraus: Zwar basiert das Vakzin wie jenes von Biontech auf einer sogenannten RNA-Plattform. Das bedeutet, dass es aus kleinen Codeschnippseln besteht, die das Stacheleiweiß des Virus kodieren, und die von den Körperzellen der Impflinge zu eben diesem Protein zusammengebaut werden. Gegen dieses Eiweiß baut das Immunsystem dann eine Abwehrreaktion und ein immunologisches Gedächtnis auf. Biontechs Impfstoff allerdings muss in konsequenter Kühlkette bei minus 70 Grad aufbewahrt werden, bevor er eingesetzt wird. Modernas Impfstoff ist aufgrund einer synthetischen Verstärkung der RNA aber offenbar stabiler und deshalb weniger anspruchsvoll. "Obwohl man einen guten handelsüblichen Tiefkühlschrank für die maximale Haltbarkeit benötigt, ist ein normaler Kühlschrank für 30 Tage ausreichend", sagt Evans. Das Vakzin sei sogar für zwölf Stunden bei Raumtemperatur stabil.

Gerade für den amerikanischen Markt, der im Fall eine Notzulassung bis Jahresende die ersten 20 Millionen Dosen für zehn Millionen Menschen erhalten soll, sind die logistischen Ansprüche des Impfstoffs entscheidend. Viele ländliche Krankenhäuser besitzen keine Tiefkühler, die auf minus 70 Grad Celsius kühlen können. Moderna hat bereits eine Vielzahl internationaler Verträge abgeschlossen, mit der Europäischen Union gibt es bislang kein Abkommen. Wie auch Biontech und Pfizer will Moderna in den kommenden Wochen eine Notzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde beantragen.

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