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Coronavirus:Zwei Studien zu Corona-Wirkstoffen müssen pausieren

Forschung an einem Corona-Impfstoff

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Impfstoffstudie während der Coronapandemie pausieren muss - im Bild Arbeiten in einem chinesischen Labor.

(Foto: Ng Han Guan/AP)

Pharmafirmen unterbrechen eine Erhebung zur Antikörpertherapie und eine Impfstoffstudie. Warum das noch kein Grund zu größerer Sorge ist.

Von Berit Uhlmann

Die Meldungen aus der Pharmabranche kommen zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Während die Corona-Zahlen steigen und steigen, setzen gleich zwei Firmen ihre Tests an potenziellen Mitteln gegen die Pandemie aus. Über die Details ist allerdings so wenig Konkretes bekannt, dass großer Pessimismus verfrüht wäre.

So teilte die Pharmafirma Janssen, die zum US-Konzern Johnson & Johnson gehört, in einer kurzen Erklärung mit, sie habe ihre Studie an einem Corona-Impfstoff vorübergehend unterbrochen. Als Grund nannte das Unternehmen "unklare Beschwerden" eines Teilnehmers, die zunächst überprüft werden müssten. Es ist allerdings bislang nicht einmal klar, ob der Proband oder die Probandin überhaupt den möglichen Impfstoff erhielt - oder lediglich ein Placebo.

Solche Zwischenfälle sind nicht unbedingt ein großer Rückschlag

Zugleich wurde bekannt, dass die Pharmafirma Eli Lilly ihre Studie zur Antikörpertherapie wegen nicht näher beschriebener Sicherheitsbedenken unterbricht. Antikörper werden auf natürlichem Weg von Infizierten gebildet und verhindern, dass sich Sars-CoV-2 an die Rezeptoren der menschlichen Zellen bindet. Man findet sie im Blut von Genesenen; das Unternehmen verwendet allerdings künstlich hergestellte Kopien dieser Antikörper. Eine Antikörpertherapie - von einem anderen Unternehmen - hatte auch US-Präsident Donald Trump zur Behandlung seiner Covid-Erkrankung erhalten.

Einzelne Zwischenfälle in pharmazeutischen Tests stellten sich meist als Zufälle heraus, besonders wenn die Studie viele Teilnehmer habe, kommentiert Stephen Evans, Epidemiologe der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Sie können auf bisher nicht diagnostizierten Problemen beruhen, die entdeckt werden, weil die Studienteilnehmer regelmäßig untersucht werden und womöglich auch selbst mehr auf potenzielle Symptome achten. Vor allem bei Janssens Impfstoffstudie wären solche Zufälle nicht verwunderlich. Die aktuell laufende dritte und letzte Studienphase soll insgesamt 60 000 Probanden einschließen, darunter auch Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Der aktuelle Vorfall ist nicht das erste Mal, dass eine Impfstoffstudie während der Corona-Pandemie pausieren muss. Anfang September hatte bereits die Firma Astra Zeneca ihre Tests ausgesetzt. In Großbritannien soll bei einem Probanden die Nervenkrankheit Transverse Myelitis entdeckt worden sein. Knapp eine Woche später wurden die Tests auf der Insel indes schon wieder aufgenommen. In den folgenden drei Wochen starteten sie auch in allen anderen beteiligten Ländern wieder. Lediglich in den USA sind sie noch immer unterbrochen.

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Solche Zwischenfälle müssen also kein großer Rückschlag sein. Aber sie können die Suche nach einem Impfstoff verzögern. Entscheidend für den Fortschritt einer Studie ist jedoch auch eine Entwicklung, die ebenfalls ein Stück weit vom Zufall abhängt. Es müssen sich erst einmal genügend Studienteilnehmer mit dem Coronavirus infizieren. Erst dann kann eine statische Analyse starten und im besten Fall zeigen, dass sich überwiegend jene Menschen ansteckten, die das Placebo erhielten, während die Menschen, die den möglichen Impfstoff bekamen, zum großen Teil geschützt waren.

© SZ vom 15.10.2020
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