Behandlung der Depression Wie die kognitive Verhaltenstherapie funktioniert

Was ist das Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie?

Keck: Es geht in der Therapie darum, das Verhalten und Denken, das oft beides in der Depression gestört ist, so positiv zu beeinflussen, dass die Symptome und der Leidensdruck abnehmen, und dass die Lebenszufriedenheit und die Funktionsfähigkeit wieder zunehmen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Egli: Nehmen wir ein stark vereinfachtes Beispiel. Menschen mit Depressionen denken sehr negativ über sich selbst, ihre Umwelt und über ihre Zukunft. Sie haben Schuldgefühle, sie sind ohne Hoffnung und überzeugt: "Egal was ich mache, es ändert sich ja doch nichts." Dieses Denken kann das Verhalten beeinflussen. Wer so denkt, der macht auch nichts mehr; man nennt das erlernte Hilflosigkeit. Und weil man nichts mehr macht, verliert man auch alles, was Freude macht.

Hier kann man therapeutisch ansetzen. Man versucht zum Beispiel miteinander, positive Aktivitäten wieder aufzunehmen. Es ist natürlich nicht damit getan, zu sagen: "Jetzt mach doch wieder mal was Schönes!" Denn wenn das so einfach wäre, dann hätten die Leute das schon gemacht. Und das kriegen sie auch von den Angehörigen zu hören.

Im therapeutischen Prozess geht es darum, zu analysieren: Wo klappt es nicht? Wo gibt es Unterstützung? Wo kann man die Schritte unterteilen, um was zu erreichen? Wie kann man sich selber belohnen? Wie kann man das gut planen miteinander? Ein großer Schwerpunkt liegt auch auf dem Üben. Der Patient bekommt Aufgaben. Eine Psychotherapie ist immer ganz konkrete Kleinarbeit, die man individuell Schritt für Schritt gemeinsam angeht.

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Das klingt anstrengend.

Keck: Ist es auch. Ohne die eigene Mitarbeit kann die Psychotherapie nicht funktionieren. Hier unterscheiden sich die beiden Therapiepfeiler grundsätzlich. Unser übliches medizinisches Verständnis ist ja: Ich nehme ein Medikament ein und dann geht es mir besser. In der Psychotherapie ist es ein bisschen anders. Da muss ich sehr viel selbst dazu beitragen.

Wo stößt die Psychotherapie an ihre Grenzen?

Egli: Was sie nicht kann, ist belastende Umweltsituationen zu verändern. Manchmal kommen Menschen zur Psychotherapie und sagen: "Mein Chef ist schuld an der Depression!" Der Chef kann aber natürlich nicht behandelt werden. Aber man kann lernen, anders mit Konflikten oder Stress umzugehen. Man kann neue Verhaltensmuster erlernen. Das ist eine der Möglichkeiten in der Psychotherapie. Aber die anderen oder die Umwelt verändern, das kann sie nicht. Was aber möglich und sehr sinnvoll ist, ist die Partner, die Angehörigen oder auch den Chef zu gemeinsamen Therapiesitzungen einzuladen und in den psychotherapeutischen Veränderungsprozess einzubinden.