Depression "Man muss keine Angst vor Antidepressiva haben"

Es mag sein, dass Antidepressiva mitunter zu leichtfertig verschrieben werden. Doch Patienten mit schwereren Depressionen können von ihnen profitieren. Die Furcht vor Abhängigkeit ist unbegründet.

Von Nina Buschek

Die Chancen, eine Depression mit Medikamenten zu lindern, stehen gut. Mit den richtigen Tabletten verblasst das Gefühl der Niedergeschlagenheit binnen weniger Wochen. "Bei zwei Dritteln der Patienten nehmen die Beschwerden deutlich ab - etwa um die Hälfte", sagt Stefan Leucht, Professor für Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. "Im besten Fall sind die Patienten durch die Medikamente symptomfrei."

Wenn die Pharmakotherapie greift, wirkt sie gegen alle Symptome der Depression. Dann weicht nicht nur die Traurigkeit, sondern auch Reizbarkeit, innere Unruhe und Hoffnungslosigkeit verschwinden, die Energie kommt zurück, Sorgen und Zukunftsängste treten in den Hintergrund, ebenso wie Schlafprobleme und körperliche Beschwerden.

Antidepressiva sind kein Allheilmittel für Jedermann und selten die alleinige Behandlung. Sie sind nur ein Werkzeug im Baukasten der Therapien, neben der Psychotherapie und weiteren Verfahren wie Schlafentzug oder Bewegung. Die internationalen Therapieleitlinien empfehlen Antidepressiva für Patienten mit mittelgradiger bis schwerer Depressionen - in Kombination mit einer Psychotherapie. Bei leichten Verläufen raten die Experten, der Psychotherapie den Vorzug zu geben.

Tabletten für mehr Gleichgewicht im Gehirn

Antidepressiva sollen das chemische Geleichgewicht im Gehirn wieder herstellen. Warum manche Menschen depressiv werden und andere nicht, hat die Wissenschaft noch nicht vollständig verstanden. Die Biologie eines Menschen hat daran ebenso Anteil wie seine Biografie, und auch seine individuellen Strategien, mit Belastungen umzugehen. Unabhängig von der Ursache scheint im Gehirn immer das Gleiche zu passieren: Bei einer Depression sind körpereigene Botenstoffe, die im Gehirn anregende Nervenimpulse vermitteln, im Ungleichgewicht. Allen voran die Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin.

In Deutschland sind aktuell etwa 30 Wirkstoffe gegen Depressionen zugelassen. Sie beeinflussen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn - auf unterschiedlichen Wegen.