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Berühmte Depressions-Patienten:"Wenn mein schwarzer Hund zurückkehrt"

Ob Nobelpreisträger oder der Nachbar von gegenüber: Eine Depression kann jeden treffen. Es hilft, darüber zu sprechen. Prominente haben das getan.

Von Berit Uhlmann

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Wider Image: Memories of Lincoln

Quelle: REUTERS

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"Ich bin nun der Elendste unter den Lebenden. Wenn die gesamte Menschheit erleben würde, was ich erlebe, dann gäbe es kein freudvolles Gesicht auf Erden."

Abraham Lincoln (1809 - 1865), 16. Präsident der USA, in einem Brief.

Zeitgenossen beschrieben Lincoln als "melancholisch", ob er den heute geltenden Diagnosekriterien für eine Depression entsprach, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Lincoln fand Hilfe bei einem Arzt, er nannte ihn "notwendig für meine Existenz".

Winston Churchill besucht britische Stellung am Ärmelkanal, 1940

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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"Alice weckte mein Interesse, als sie von ihrem Arzt in Deutschland berichtete, der ihre Depression komplett geheilt hatte. Ich denke, dieser Mann könnte mir nützlich sein, wenn mein schwarzer Hund zurückkehrt. Momentan scheint er sich ein ganzes Stück entfernt zu haben - es ist solch eine Erleichterung. Alle Farben kehren zurück."

Winston Churchill, (1874 - 1965), britischer Premierminister, in einem Brief an seine Frau.

Churchill machte den schwarzen Hund als Metapher für die Depression berühmt, wenngleich das Bild schon vorher benutzt wurde. Der Politiker litt wahrscheinlich an einer bipolaren Störung; manische und depressive Phasen wechselten sich also ab. Zur Bewältigung seiner Krankheit hat einigen Beobachtern zufolge auch seine Kreativität beigetragen. Churchill malte und schrieb - und erhielt 1953 den Literatur-Nobelpreis.

Buchcover: Matthew Johnstone: Mein schwarzer Hund

Quelle: Verlag Antje Kunstmann

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"Bei mir hat die Metapher verfangen, denn ich glaube, unsere Psyche ähnelt einem bisweilen ungezogenen Hund. Sie braucht Verständnis, Disziplin, Übung, Geduld und natürlich Mitgefühl und Liebe. Ich mag die Metapher auch deshalb, weil sie etwas außerhalb unseres Selbst beschreibt, sie ist nicht unbedingt repräsentativ für unser 'wahres Selbst'."

Matthew Johnstone, australischer Comic-Autor, in seinem Blog.

Johnstone, der selbst unter Depressionen litt, setzte dem schwarzen Hund in seinen Comics ein weiteres Denkmal. Er hält es für entscheidend, die Depression zu akzeptieren und offen mit ihr umzugehen.

Premiere ´Schatten des Mondes" - Buzz Aldrin

Quelle: dpa

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"Ich dachte, dass eine Reise zum Mond nicht mehr überboten werden könnte. So verließ ich die Nasa und kehrte zur Air Force zurück. Doch ich glaube, die Air Force wusste nicht, was sie mit jemandem anfangen sollte, der zum Mond geflogen war. Ich war ein Außenseiter (...). Ich traf auf Eifersucht und Neid. Ich fand keinen Teamgeist. Das führte zu Unzufriedenheit und Unbehagen. Was ich fühlte, war die Depression."

Buzz Aldrin (geb. 1930), zweiter Mensch auf dem Mond, in einem Interview.

Aldrin litt unter Depressionen und Alkoholsucht. "Gesund zu werden war nicht einfach", bekannte er. Der schwerste Teil daran war für ihn, "Hilfe zu akzeptieren".

JK ROWLING LAUNCHES THE NEW HARRY POTTER BOOK AT KINGS CROSS STATION

Quelle: REUTERS

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"Ich glaube, ich hatte schon sehr jung eine Neigung zur Depression. Es wurde akut, als ich zwischen 25 und 27 war; eine dunkle Zeit. Die Abwesenheit von Gefühlen - mehr noch die Abwesenheit von Hoffnung darauf, dass es wieder besser wird. Und es ist so schwer, es jemandem zu beschreiben, der es noch nie erlebt hat, denn es geht nicht um Traurigkeit. Ich kenne Traurigkeit, sie ist nichts Schlechtes. Zu weinen und zu fühlen. Aber eine Depression ist die kalte Abwesenheit von Gefühlen, eine echte Leere. So sind auch die Dementoren."

Joanne K. Rowling (geb. 1965), Autorin der Harry-Potter-Reihe, in einem Interview.

Rowlings schwere depressive Episode trat als Folge einer unglücklichen Ehe auf. Durchhalten ließen sie die Sorge für ihre kleine Tochter und das Schreiben. Noch während der Krise begann sie mit den Potter-Büchern, in denen sie auch die Gefühle der Depression verarbeitete - in Gestalt der Dementoren, die jegliche Freude und Hoffnung aus den Menschen saugen.

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Quelle: AFP

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"Ich war ein normaler Fall. Jeder andere wäre auch an den Erwartungen zerbrochen. Vielleicht bin ich sogar zu normal. Vielleicht war das mein Problem."

Sebastian Deisler (geb. 1980), ehemaliger Fußballspieler, in einem Interview.

Deisler hatte während seiner Karriere mit mehreren Verletzungen, aber auch mit einer sehr schweren Depression zu kämpfen. Er wurde längere Zeit in einer Klinik behandelt. Er reagierte mit einem radikalen Schritt: Er beendete seine Profikarriere, um dem öffentlichen Druck zu entkommen, und zog sich komplett ins Privatleben zurück.

© Sz.de/beu/dd

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