Behandlung der Depression Wie lange die Therapie dauert

Wie lange dauert es, bis man einen Effekt der Psychotherapie spürt?

Egli: Es braucht schon etwas Geduld. Erste positive Effekte der Behandlung merken viele bereits nach einigen Tagen. Bis die akute Phase allerdings überstanden ist, vergehen etwa sechs bis zwölf Wochen. Damit ist die Therapie aber noch nicht vorbei. Es macht auf jeden Fall Sinn, über diesen Zeitraum hinaus die Behandlung weiter zu führen. Das gilt übrigens für beides: Pharmakotherapie und Psychotherapie. Auch wenn die Symptome wieder abgeklungen sind, sollte man noch ein halbes bis ein Jahr weiterbehandeln. Das muss, was die Psychotherapie angeht, aber nicht in der gleichen Intensität sein wie am Anfang.

Warum ist diese Erhaltungstherapie wichtig?

Keck: Man muss sicher sein, dass wirklich alle Zeichen der Depression abgeklungen sind. Oft bestehen gerade kognitive Symptome wie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen noch länger fort. Und wenn Restsymptome noch da sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Depression zurückkommt. Und mit jeder neuen Episode steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall, und zwar deutlich. Deshalb ist eine komplette Behandlung wichtig.

Wir sprechen nun schon eine ganze Weile über "die Psychotherapie", dabei gibt es ganz unterschiedliche Formen davon. Welche Methoden sind bei Depressionen wirklich wirksam?

Egli: Es kommt ein bisschen darauf an, welcher Fokus, welches Problem mich in die Therapie gebracht hat und wie der Verlauf der Depression ist. In der akuten Episode hat heute die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie den größten Stellenwert. Die Verhaltenstherapie hat man über Jahrzehnte in vielen Studien untersucht. Und es gibt keinen Zweifel, dass sie wirkt.

Eine andere Methode, die sich aus der Verhaltenstherapie ableitet, ist die interpersonelle Psychotherapie. Sie konzentriert sich auf das Arbeiten an Beziehungen im Hier und Jetzt. Wenn man klar herausarbeiten kann, dass ein Rollenwechsel die Depression ausgelöst hat, wie eine Pensionierung, eine Scheidung, ein neuer Beruf, oder Verlusterlebnisse, ist das eine Therapie mit sehr hoher Erfolgsquote. Bei chronischen Verlaufsformen der Depression gibt es sehr gute Erfahrungen mit Therapien, die auch Elemente der Psychoanalyse einbeziehen, wie zum Beispiel CBASP, die Abkürzung steht für "Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy". Wir machen seit einigen Jahren auch sehr gute Erfahrungen mit der Schematherapie, bei der es um die Veränderung problematischer Lebensmuster oder eben Schemata geht. Diese Therapie kommt bei vielen Patienten sehr gut an.

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