ADHS-Diagnostik:Die Schule mit ins Boot holen?

Er rät Eltern, die Schwierigkeiten bei Ihrem Kind entdecken, zunächst mit Lehrern oder Erziehern zu sprechen. Wenn auch sie die Beobachtungen bestätigen, sollte die Familie einen Experten konsultieren. Das sind in erster Linie Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen und spezialisierte Kinderärzte. Selbsthilfe-Organisationen wie ADHS-Deutschland können Spezialisten nennen.

Der Arzt sollte sich etwa drei bis fünf Stunden Zeit für die Diagnostik nehmen, sagt Alfred. Er wird eine Reihe von Tests vornehmen: Unter anderem prüft er das Hör- und Sehvermögen, die Intelligenz, die Konzentration und Fähigkeiten wie Lesen und Rechnen, um andere Störungen oder Schwächen auszuschließen. (Mehr zu den Symptomen und Ausschlusskriterien lesen Sie hier).

Und er wird nicht nur Eltern und Kind, sondern nach Möglichkeit auch Lehrer oder Erzieher befragen. Für Nichtbetroffene mag dies bedenklich klingen: Die Schule da mit reinziehen? Welche Nachteile kann dies haben? Alfred hat jedoch beobachtet, dass Eltern von ADHS-Kindern meist keine Schwierigkeiten haben, Lehrer um ihre Einschätzung zu fragen. Betroffene Familien brauchen möglichst viel Hilfe und Verständnis. Und die Lehrer von Anfang an mit ins Boot zu holen, kann dazu beitragen.

Auch Rosa F. hat erfahren, wie wichtig jede Unterstützung ist. Ihr Lebensgefährte kam mit dem unruhigen Kind nicht zurecht, ihre Familie distanzierte sich. Sie musste zwischenzeitlich - am Ende ihrer Kraft - eine Auszeit in einer Klinik nehmen.

Wer mit ADHS-Patienten zu tun hat, kennt solche Entwicklungen. Und so lassen sich Ärzte und Psychologen wesentlich von dieser Frage leiten: "Wie stark ist der Leidensdruck der Familie?", erläutert Alfred. "Kommt sie alles in allem gut mit Verhaltensauffälligkeiten des Kindes zurecht, warten wir mit der Diagnose oft noch ab." Wird das Kind dagegen zum Außenseiter, ist seine Entwicklung gefährdet oder gerät die Familie an ihre Belastungsgrenzen, braucht sie schnelle Hilfe.

Ein erster und wesentlicher Teil dabei ist die Aufklärung. Es kann für Eltern enorm erleichternd sein, zu verstehen, dass nicht persönliches Versagen zu den Schwierigkeiten ihres Kindes führt, sondern, wie Rosa F. es ausdrückt: dass "unsere Kinder einfach anders sehen, denken und handeln".

(Die Namen der Betroffenen sind geändert, der Redaktion aber bekannt).

Mehr über Symptome, medikamenöse und nichtmedikamentöse Behandlungen lesen Sie in unserem Ratgeber ADHS.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB