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Zusatz zur Rente:Niedrige Rendite, hohe Produktkosten, unflexible Bedingungen

Neben der garantierten Rendite geben die Versicherer jedes Jahr zwar eine Prognose ihrer Gewinne ab, an denen die Kunden mit ihrem jeweiligen Sparanteil mit einem Bonus beteiligt werden. Neukunden sollten sich von all zu optimistischen Erwartungen nicht blenden lassen. Bei Vertragsende zählt nur der Gewinn, der letztlich tatsächlich eingefahren wird - und Jahrzehnte im Voraus gar nicht prognostiziert werden kann. So sank 2012 die Zinsgutschrift der deutschen Lebensversicherer, bestehend aus der garantierten Beitragsrendite und einem Bonus, laut einer Studie des Analysehauses Morgen & Morgen auf durchschnittlich 3,9 Prozent. Und auch bei den stillen Reserven drohen Abschläge für die Kunden. Im Februar 2013 wollte der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat darüber entscheiden, ob die Unternehmen ausscheidende Kunden weiterhin nur zur Hälfte an den stillen Reserven für festverzinsliche Wertpapiere beteiligen dürfen. Doch nach heftigem Streit wurde die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Wegen der niedrigen garantierten Rendite, hohen Produktkosten und unflexiblen Vertragsbedingungen rät auch Stefan Albers vom Bundesverband der Versicherungsberater von einem derartigen Vertragsschluss ab. Sinnvoller sei, sein Geld komplett über private Kapitalanlagen wie festverzinsliche Wertpapiere anzusparen und höchstens die Verrentung - also die monatliche Auszahlung - von einer privaten Rentenversicherung organisieren zu lassen. Sofern man sich die Kosten der Vermögensverwaltung nicht komplett spart, indem man sich "seinen eigenen Auszahlplan strickt", womöglich mit der Hilfe einer Bank.

Verluste bei Kündigung oder vorübergehendem Aussetzen

Ein sicheres Verlustgeschäft machen Kunden bei einer vorzeitigen Kündigung oder Beitragsfreistellung (dem vorübergehenden Aussetzen der Versicherung): "Das ist immer mit erheblichen Nachteilen verbunden", sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Kunden, die bis zuletzt durchhielten, seien heute leider die Ausnahme, so BdV-Sprecher Kleinlein. Dabei müssten vor allem Einsteiger bedenken: "Altersvorsorge ist kein Synonym für Versicherung".

"Nennen wir es Vermögensaufbau", schlägt Versicherungsberater Stefan Albers vor. Mit der privaten Geldanlage könne man klein anfangen: Zunächst 1500 Euro auf einem Tagesgeldkonto sammeln, ein Wertpapier kaufen und in ein Depot bei der Bank legen.