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Notenbank verspricht billiges Geld:Bernanke stellt USA auf harte Zeiten ein

Was tun in Zeiten, in denen Apple mehr Geld gehortet hat als das US-Finanzministerium? Der amerikanische Notenbankchef Bernanke verspricht den USA nach dem Rating-Schock extrem niedrige Zinsen bis 2013 - mehr nicht. Die Notenbanker sind sich jedoch nicht einmal einig, was genau das Problem ihres Landes ist. Die nervöse Wall Street reagiert erst enttäuscht, dann mit einem satten Plus.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat die Vereinigten Staaten auf wirtschaftlich harte Zeiten eingestellt. Das Wirtschaftswachstum liege mittlerweile deutlich niedriger als erwartet, hieß es in einer Erklärung nach der planmäßigen Sitzung des Offenmarktausschusses am Dienstag. Das Risiko, dass die Konjunktur noch schlechter werden könnte, sei gestiegen.

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Ist nicht besonders optimistisch, wenn es um die Zukunft der amerikansichen Wirtschaft geht: Notenbankchef Ben Bernanke.

(Foto: AFP)

Es war das dritte Mal in diesem Jahr, dass die Notenbank ihren Wirtschaftsausblick verschlechterte. Als Konsequenz behielt die Fed nicht nur ihren historisch niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent bei, sondern sie sicherte darüber hinaus zu, dass sie dies auch weiterhin bis "mindestens bis Mitte 2013" tun wird.

Trotz dieser beispiellosen Festlegung reagierte die New Yorker Börse mit Enttäuschung. Der Dow Jones brach kurzfristig ein, stabilisierte sich dann aber und schloss um vier Prozent über dem Stand des Vortages. Zuvor war der Börsenhandel in Erwartung der Fed-Entscheidung extrem nervös gewesen. Offenbar hatten viele Anleger gehofft, die Fed werde ein neues Programm zum Kauf von Staatsanleihen auflegen, es wäre das dritte seiner Art gewesen. Diese Politik kommt dem Drucken von Geld gleich und soll langfristige Kredite verbilligen.

Tatsächlich jedoch führte das letzte Programm, das unter dem Namen "Quantitative Easing, QE 2" lief und ein Volumen von 600 Milliarden Dollar hatte, weder zu höherem Wachstum noch zu mehr Beschäftigung. Die Unternehmen erzielten zwar zum Teil spektakuläre Gewinne; diese horteten sie jedoch überwiegend auf ihren Bankkonten. Apple zum Beispiel hat derzeit höhere Reserven als das US-Finanzministerium.

Einen Hinweis darauf, wie extrem diese Entwicklung ist, gab am vorigen Freitag die Bank of New York Mellon. Die Bank, die vor allem das Alltagsgeschäft großer Kreditinstitute abwickelt, erhob erstmals Gebühren auf Bareinlagen - das Gegenteil des sonst Üblichen. Diese Geldschwemme will die Fed offenbar nicht noch weiter vergrößern. Allerdings sicherte sie zu, dass sie Staatsanleihen, die fällig werden, durch Anlagen in gleicher Höhe ersetzen wird. Es gibt also bis auf Weiteres keinen Abschied von der Politik des billigen Geldes.

Laut Fed droht Deflation

Dabei geht schon die Zusicherung, mindestens bis Mitte 2013 die Zinsen nicht zu erhöhen, nach historischen Maßstäben ziemlich weit. Sie steht im krassen Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB), die die Zinsen nach der Rezession bereits erhöht hat. Die Fed begründet ihren gegenläufigen Kurs damit, dass die Kapazitäten der amerikanischen Firmen weiter unterausgelastet seien und die Inflation mittelfristig sogar niedriger als gewünscht sein könnte; dass also, mit anderen Worten, Deflation drohe.

Diese Festlegung war allerdings intern heftig umstritten. Dagegen stimmten immerhin drei von zehn Mitgliedern des Offenmarktausschusses: Richard Fisher, der einflussreiche Präsident der Federal Reserve von Dallas, Narayana Kocherlakota und Charles Plosser.

Die Diskussion in der Fed dürfte von der spürbaren Verschlechterung der Wirtschaftslage in den USA geprägt gewesen sei. Anders als bei der EZB gehört es zum gesetzlichen Auftrag der Fed, nicht nur für Preisstabilität, sondern auch für Wachstum und Vollbeschäftigung in Amerika zu sorgen. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA derzeit bei neun Prozent, obwohl die jüngste Rezession offiziell schon längst vorüber ist. Im ersten Halbjahr wuchs die Wirtschaft um ganze 1,0 Prozent. Wenn sich an der schwachen Konjunktur nichts ändert, wird die Arbeitslosigkeit in der zweiten Jahreshälfte sogar noch steigen.

Wegen der Fed-Entscheidung sinken die kurzfristigen Zinsen in den USA weiter. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen ging am Dienstagabend auf 0,177 Prozent zurück, einem der niedrigsten Sätze in der US-Geschichte. Zehnjährige Anleihen lagen stabil bei 2,3 Prozent, ein Indiz dafür, dass die Anleger auch nach der Herabstufung der Bonität der USA von AAA auf AA+ nicht an der Solidität amerikanischer Staatspapiere zweifeln.