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Rentendebatte:"Morddrohungen gibt es regelmäßig"

Key Speakers At Banks In Transition Conference

Die Rentendebatte ist sein Lieblingsthema: Jens Spahn, Staatssekretär im Finanzministerium

(Foto: Martin Leissl/Bloomberg)

Droht massenhafte Altersarmut? Finanzstaatssekretär Spahn hält das für "totalen Quatsch". Für seine Aussagen zur Rente wird Spahn häufig beschimpft.

Jens Spahn ist 36 Jahre alt - und gehört trotz seines jungen Alters bereits zum politischen Inventar der Republik. Seit 2002 ist er Mitglied des Bundestags, erst als Gesundheitspolitiker, bis er ins Bundesfinanzministerium als Staatssekretär aufrückte. Über die Rente, sein Lieblingsthema, redet er aber immer noch gern, obwohl er deshalb schon als "Hosenscheißer" beschimpft wurde und "regelmäßig" Morddrohungen bekomme.

Über die Rente wird derzeit viel diskutiert. Bekommen die Alten zu wenig Geld? "Den Rentnern geht es doch so gut wie noch nie", sagt Spahn im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das Rentenniveau sei mit derzeit 47,5 Prozent eines Durchschnittslohns besser als erwartet. Auch 2020 und 2030 werde das Niveau über dem politisch festgelegten Mindestmarken von 46 beziehungsweise 43 Prozent liegen.

Spahn will Reformen bei Riester

Auch zur umstrittenen Riester-Rente äußert sich Spahn - und fordert Reformen. "Wir sollten prüfen, ob wir die Entscheidung über die Zulagen nicht doch bei den Finanzämtern ansiedeln können. Die prüfen ja ohnehin schon, ob dem Riester-Sparer Steuervorteile zustehen", sagt Spahn. Nach Ansicht des CDU-Politikers müsste es auch die Zulagen für die staatlich geförderte private Altersvorsorge automatisch geben, und nicht erst nach Antrag. "Viele füllen die komplizierten Formulare heute gar nicht aus", sagt Spahn.

Spahn kritisiert die laufende Debatte um die Altersversorgung. "Einige Politiker und Gewerkschafter haben das Kunststück geschafft, im Jahr der größten Rentenerhöhung seit 23 Jahren eine Debatte über Altersarmut vom Zaun zu brechen", sagt er. "Zu viele haben das falsche Bild einer drohenden massenhaften Altersarmut im Kopf. Das ist - bei allem Respekt - totaler Quatsch."

Spahn ist überzeugt, dass viele Arbeitnehmer länger arbeiten wollen. Sein Vater, der mal Prokurist war, würde jetzt "immer mal wieder" als Fahrer Geld dazu verdienen, weil er das Nichts-Tun als Rentner zu Hause nicht aushalte.

Im Interview erklärt er, was er dagegen tun will, dass auf Betriebsrenten der volle Krankenversicherungsbeitrag fällig ist. Und er erläutert, warum E-Mails und Talkshows es schwieriger machen, eine Rentendebatte zu führen, bei der nicht alle gleich beleidigt sind.

Lesen Sie das ganze Interview mit Jens Spahn mit SZ Plus:

Montagsinterview "Den Rentnern geht es so gut wie nie"
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