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Private Altersvorsorge:Lebensversicherer verabschieden sich von Zinsgarantie

Ein Klassiker hat sich überlebt: Lange war die Lebensversicherung die beste Möglichkeit, privat vorzusorgen - doch die anhaltenden Niedrigzinsen machen ihr schwer zu schaffen. Und neue Angebote wie die der Allianz bringen Kunden kaum noch Vorteile.

Deutschlands größter Versicherungskonzern Allianz kommt mit einer neuen Lebensversicherung ohne Zinsgarantie auf den Markt. Damit reagiert das Unternehmen auf die niedrigen Zinsen und die künftigen erhöhten Anforderungen an die Kapitalausstattung der Versicherer. Sie werden von der EU unter dem Titel Solvency II vorbereitet und sollen 2016 oder 2017 in Kraft treten. Mit den neuen Angeboten kann der Konzern seinen Kapitalbedarf drastisch reduzieren. Verbraucherschützer äußerten sich kritisch.

Deutschlands größter Lebensversicherer will zwar auch künftig die bisherigen Klassik-Policen mit einer Zinsgarantie von 1,75 Prozent anbieten. Beim neuen Konzept "Perspektive" garantiert das Unternehmen dem Kunden für die Einzahlungsphase aber keinen Zins, sondern nur den Erhalt des eingezahlten Kapitals.

Beim Eintritt in die Rentenphase und damit dem Beginn der Auszahlung der Privatrente wird eine neue Zinsgarantie auf Grund der dann geltenden Kapitalmarktsituation berechnet. "Die Kunden können damit profitieren, wenn die Zinsen dann möglicherweise höher sind", sagte Markus Faulhaber, Chef der Allianz Lebensversicherung.

Ergo verkauft ebenfalls Police ohne Zinsgarantie

Der zur Munich Re gehörende Ergo-Konzern in Düsseldorf verkauft seit Montag ebenfalls eine Police ohne Zinsgarantie. Dabei wird das Kundengeld vor allem in Investmentfonds angelegt. Bei der Allianz gehen die Gelder in das klassische Deckungsvermögen.

Seit Jahrzehnten haben die Lebensversicherer problemlos Policen mit Zinsgarantien als wichtigem Verkaufsargument abgesetzt. Die Garantien betrugen in der Spitze in den neunziger Jahren vier Prozent. Damals erzielten die Lebensversicherer mit den Kapitalanlagen mehr als sieben Prozent, hatten also ein komfortables Polster. Eine Niedrigzinssituation, wie sie schon in Japan herrschte, konnten sie sich für Deutschland nicht vorstellen.

Heute erhalten sie für Bundesanleihen weniger als zwei Prozent. Vielen Versicherern fällt es zunehmend schwer, die einst garantierten hohen Zinsen zu erwirtschaften. Die meisten - auch Marktführer Allianz - erzielen allerdings noch deutlich mehr, weil sie viele ältere höher verzinste Papiere im Bestand haben. Langfristig werden die Garantien aber auch für sie zum Problem.