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Nervöse Finanzmärkte:Großbank in der Krise - ach nein, doch nicht

Die Nervosität an den Finanzmärkten ist gewaltig. Schon kleinste Gerüchte lösen heftige Kursreaktionen aus. Spekulationen über Finanzprobleme bei Société Générale haben der Großbank einen spektakulären Kurssturz eingebrockt. Dabei war an der Meldung wohl gar nichts dran. Der Bankchef tobt - und eine Zeitung entschuldigt sich.

"Wir räumen ein, dass die Informationen falsch waren - und entschuldigen uns ausdrücklich bei Société Générale für die Verwirrung, die wir ausgelöst haben." Der Kotau der Wochenzeitung Mail on Sunday ist deutlich. Doch er gibt nur unzureichend wieder, welches Beben die Spekulationen ausgelöst hatten, die französische Großbank stecke in einer "bedrohlichen" finanziellen Lage.

File photo of the entrance to the headquarters of French bank Societe Generale in La Defense, outside Paris

Hektik bei Société Générale. Die Großbank hat die französische Börsenaufsicht eingeschaltet, um herauszufinden, wer Gerüchte über angebliche Finanzprobleme in die Welt gesetzt hat

(Foto: Reuters)

Am Sonntag hatte die Zeitung über die Gerüchte berichtet, seither fraßen sie sich durch die Märkte - bis die Aktie des Finanzkonzerns am Mittwoch zeitweise um mehr als 20 Prozent einbrach, und mit knapp 15 Prozent im Minus schloss. Mit ihr rutschten die Aktien zahlreicher Finanzhäuser in den Abwärtsstrudel. Denn die Gerüchte über die Großbank kamen zeitgleich zu Spekulationen auf, Frankreich drohe womöglich die Herabstufung durch die Ratingagenturen. Der Erholungskurs an den Börsen brach daraufhin jäh ab, Bank-Aktien gaben nach, europäische wie US-Märkte schlossen im Minus.

Der Absturz von Société Générale ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Nervosität, die derzeit an den Börsen herrscht. Schon Gerüchte lösen regelrechte Beben aus. Begierig nehmen Investoren und Händler jede Meldung über Marktentwicklungen auf - selbst wenn die Quellen der Informationen und deren Intentionen bisweilen nicht ersichtlich sind. Immerhin ein paar Tage dauerte es, bis die in der Mail on Sunday beschriebenen Gerüchte ihre volle Wirkung entfalteten - und sich am Ende doch als unhaltbar herausstellten.

Société Générale hat deshalb nun die Börsenaufsicht eingeschaltet, um herauszufinden, woher die Gerüchte kamen. Frederic Oudea, Vorstandchef der Großbank geißelte, die Spekulationen in einem Interview mit CNBC als "absoluten Müll". Dem Radiosender RTL sagte er: "Wir machen beständig Gewinne, wir haben unser Kapital verstärkt, es gibt kein Problem für die Société Générale." Auch die Marktgerüchte, Frankreich könne die Bestbewertung seiner Bonität verlieren, seien "außerordentlich merkwürdig", so der Bankchef. Rasch hatten die drei großen Ratingagenturen versichert, eine Abwertung Frankreichs sei nicht geplant.

Mittlerweile hat sich die Stimmung wieder beruhigt. Vorsichtshalber setzte die Pariser Börse am Donnerstagmorgen die Aktien der Société Générale zunächst vom Handel aus. Als sie die Papiere schließlich freigab, stieg deren Kurs rasch um rund sieben Prozent an. Auch die europäischen Märkte notieren nun wieder im Plus - bis zum nächsten Gerücht.