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Nach Kritik an S&P:Ratingagentur watscht Buffett ab

Starinvestor Warren Buffett hat öffentlich gegen die Herabstufung der USA protestiert und angekündigt, erst recht in US-Staatsanleihen zu investieren. Doch kaum hat er sich mit Standard & Poor's angelegt, hat die Ratingagentur schlechte Nachrichten für ihn.

Malte Conradi

Warren Buffett ist ein mächtiger Mann in der Finanzwelt. Doch so viel Macht, dass er es mit der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) aufnehmen könnte, hat auch der 80-jährige Milliardär und Gründer der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway nicht.

Warren Buffett

Warren Buffett hält die Herabstufung der USA für falsch.

(Foto: AP)

Im amerikanischen Fernsehen hatte Buffett Anfang der Woche die Aberkennung der Spitzenbonität der USA durch S&P scharf kritisiert. Für ihn behielten die US-Anleihen AAA-Status, teilte Buffett lapidar mit, wenn es ihn denn gäbe, würden sie sogar einen vierfachen A-Status verdienen. Sein Unternehmen jedenfalls werde weiterhin in US-Staatsanleihen investieren. "Wenn sich irgendetwas ändert, dann meine Meinung über S&P."

Ein wenig klang der Starinvestor da wie US-Präsident Barack Obama, der auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit seines Landes mit den Worten reagiert hatte, die USA seien immer ein AAA-Land gewesen und würden es auch immer sein. Trotzig wirkte das - und ein wenig hilflos.

Am Montagabend nun revidierte S&P seine Bewertung von Berkshire selbst: Der Ausblick für die Investmentgesellschaft lautet seither "negativ", statt wie bislang "stabil". Berkshire droht damit der Verlust seiner Bonitätsnote AA+, der zweitbesten Einstufung. Auch den Ausblick von vier US-Versicherungsunternehmen setzte S&P herab.

Der überraschende Schritt habe nichts mit der Einschätzung der Unternehmen selbst zu tun, hieß es. Sorgen bereite S&P vielmehr die "Verbindung zwischen den Bewertungen dieser Unternehmen und der von US-Staatsanleihen". Im Klartext: Ein Unternehmen, dass sich zu stark auf die Bonität der USA verlässt, genießt selbst nicht mehr das höchste Vertrauen.

Anders als S&P hält die Konkurrenzagentur Moody's noch an der Bestnote für die USA fest. Aber auch Moody's schließt eine Herabstufung nicht aus. Interessant dürfte sein, wie die Ratingagentur mit Buffetts Investmentgesellschaft verfährt, sollte sie bei den USA tatsächlich dem Beispiel von S&P folgen. Immerhin hält Berkshire 12,5 Prozent der Anteile an Moody's. Theoretisch könnte es also dazu kommen, dass Moody's seinen eigenen Anteilseigner herabstuft.

Mindestens 40 Milliarden Dollar hat Berkshire Hathaway laut Buffett derzeit in kurzlaufende amerikanische Anleihen investiert. Trennen würde er sich von ihnen nur, um Aktien zu kaufen oder um Akquisitionen zu tätigen, sagte Buffett.

Eine Chance dazu, seine nach zuletzt kräftig gewachsenen Gewinnen prall gefüllte Kasse etwas zu leeren, scheint ihm allerdings gerade zu entgleiten: Der US-Rückversicherer Transatlantic hat ein Übernahmeangebot Buffetts zurückgewiesen. Die Offerte über 3,24 Milliarden Dollar sei zwei anderen Angeboten nicht überlegen, teilte Transatlantic mit. Man wolle aber weiter verhandeln, Buffetts Angebot könne noch interessant werden.

Eigentlich hatte sich Transatlantic schon mit dem Spezialversicherer Allied World geeinigt, der Kaufpreis soll 2,75 Milliarden Dollar betragen. Auf dem Tisch liegt außerdem eine feindliche Offerte des Rückversicherers Validus Holdings über 2,89 Milliarden Dollar.

Transatlantic ist einer der größten amerikanischen Rückversicherer und gehörte bis vor zwei Jahren zu dem in der Finanzkrise verstaatlichten AIG-Konzern. Für Warren Buffett wäre es nicht die erste Beteiligung in der Rückversicherungsbranche. Seit den neunziger Jahren gehört General Re zu seinem Imperium. Auch an Swiss Re und dem weltweiten Marktführer Munich Re hält Buffett Anteile.

© SZ vom 10.08.2011/lom

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