Schuldenkrise in Europa:Trägt die EZB am Ende alle Risiken?

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Bisher, so Weidmann, nehme der Rettungsfonds, das Geld, das er an Krisenländer weiter verleihe, am Kapitalmarkt auf. Wenn diese Summe nun erhöht werden solle, "dann heißt das, dass irgendjemand anderes die Risiken dafür tragen muss". Er habe die große Sorge, dass dieser Unbekannte die EZB sei, so der Bundesbankchef. Wenn die Notenbank aber einer Institution Geld leihe, deren einziger Zweck es sei, Regierungen zu finanzieren, dann sei das nichts anderes, als die Notenpresse anzuwerfen. Weidmann: "Das halte ich für einen sehr gefährlichen Weg."

Geithner hat seinen EU-Kollegen eine zweite Möglichkeit vorgeschlagen, mit der sich das Volumen des EFSF deutlich erhöhen ließe, ohne dass der Fonds selbst sein Kapital aufstocken müsste. Letzteres ist wichtig, weil eine neuerliche Erhöhung des Kapitals in manch nationalem Parlament, dem Deutschen Bundestag etwa, nicht durchsetzbar wäre und zudem an der Top-Bonitätsbewertung der verbliebenen Zahlerländer rütteln würde. Orientieren will sich Geithner am sogenannten TALF-Programm. Dies hatten das US-Finanzministerium und die Notenbank (Fed) in der Finanzkrise aufgelegt, die Fed verlieh darüber gegen verbriefte Kredite Geld. Das Programm hatte ein Volumen von bis zu 200 Milliarden Dollar, von denen das Finanzministerium 20 Milliarden garantierte. Für den Rest stand die Fed gerade. Auf ähnlichem Wege, so Geithner, ließe sich das Volumen des EFSF verzehnfachen.

Weidmann und seine Mitstreiter in der EZB lehnen auch diese Variante als versteckte Staatsfinanzierung durch die Notenbank ab. Ob sie sich durchsetzen werden, ist jedoch fraglich, die Zahl ihrer Widersacher wächst. EU-Finanzkommissar Olli Rehn sagte vor Beginn des IWF-Treffens, es sei "sehr wichtig, Möglichkeiten zu erörtern, wie die Mittel des EFSF mit Hilfe eines Hebels erhöht werden können". Ein führender europäischer Notenbanker sieht bereits schwarz: "Wenn sich die Euro-Staaten demnächst ihr Geld bei der Notenbank abholen können, dann ist dies das Gegenteil dessen, woran zumindest die Deutschen 60 Jahre lang geglaubt haben."

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