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Investitionen in Immobilien:Mein Stück vom Boom

Die Zeiten, in denen Wohneigentum als "Betongold" galt, sind vorbei. Doch die Gier nach Häusern und Wohnungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verschafft den Aktien der Immobilienkonzerne enorme Wertsteigerungen. Anleger sollten allerdings auf einiges achten.

Angelika Slavik

Früher mal, da legte man Geld an in der Hoffnung, es würde sich vermehren. Das ist gar nicht so lange her, aber dennoch sind die Prämissen bei der Geldanlage heute grundlegend andere. Heute, das ist die Zeit von Euro-Krise und Inflationsangst. Da trifft man Anlageentscheidungen nicht, um sein Kapital zu vermehren - sondern um es zu retten.

Immobilien in Berlin

Viele Deutsche sind bei der Geldanlage auf Sicherheit bedacht - und stecken ihr Geld wieder in Immobilien.

(Foto: dpa)

Und wie immer, wenn die Zeiten unruhig sind, erleben die in besseren Tagen geschmähten Immobilienanlagen ein Comeback. Häuser und Wohnungen werden dann wieder "Betongold" genannt, man hofft auf Sicherheit und Werterhalt.

Aber diese Krise wütet nun schon eine Weile, und sie hat ihre Spuren auch im Immobiliensegment überlassen: Viele Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren, sind den Privatanlegern nicht geblieben. Denn der Wohnungsmarkt ist in etlichen großen Städten fast leer gekauft, und für die Objekte, die noch auf dem Markt sind, werden zum Teil astronomische Preise gezahlt. Vielfach bleibt der Anstieg der Mieten hinter jenem der Kaufpreise zurück - es ist also fraglich, ob jeder, der nun panisch sein Geld in Wohneigentum steckt, am Ende auch einen guten Schnitt machen wird.

Eine andere Möglichkeit, sein Geld in Immobilien zu stecken, sind offene Fonds. Über Jahrzehnte waren diese Produkte ein Liebling der deutschen Anleger, Hunderttausende investierten ihr Erspartes in Immobilienfonds - in der Hoffnung auf sichere Erträge. Doch in der Krise erwiesen sich diese Produkte als instabil. Viele dieser Fonds wurden mangels Liquidität eingefroren, einige sogar abgewickelt. Viele tausend deutsche Sparer kommen bis heute nicht an ihr Geld.

Was also bleibt? Die Antwort der Anleger lautet offenbar: Aktien. Die Papiere der großen börsennotierten Immobiliengesellschaften haben seit Jahresbeginn ordentlich zugelegt. Der Kurs von TAG- und GSW-Papieren legte um rund 20 beziehungsweise 25 Prozent zu, die Aktie des umstrittenen Gagfah-Konzerns konnte ihren Wert beinahe verdoppeln. Deutsche Wohnen verzeichnete sogar einen dreistelligen Kursanstieg: 108 Prozent plus in den vergangenen sechs Monaten. Ist das also die Idee, um aus Krisenangst und Immobilienboom das Beste für sich herauszuholen? Immobilienaktien?

Tatsächlich wären die meisten Papiere dieser Unternehmen immer noch ein Schnäppchen, meint Frank Neumann, Immobilienanalyst beim Bankhaus Lampe. "In den vergangenen Jahren ist es für diese Firmen ja nicht so gut gelaufen, deshalb sind die Aktien immer noch stark unterbewertet", sagt Neumann. Trotz der satten Kursgewinne in den vergangenen Monaten seien also immer noch Kursanstiege zu erwarten: "Aus unserer Sicht ist das Kursziel längst nicht überall erreicht."

Es gibt einige Argumente, die für diese Papiere sprechen. Zum einen verspricht das Geschäftsmodell vor allem jener Firmen, die auf Wohnimmobilien fokussiert sind, stabile und berechenbare Erlöse. Das Geschäft mit Büros und Geschäftslokalen dagegen wird schneller von Konjunkturschwankungen in Mitleidenschaft gezogen. In den vergangenen Monaten erzielten Wohnimmobilien zudem Rekordpreise auf dem Markt. Viele Kommunen privatisierten ihren Wohnungsbestand und verkauften oft gleich mehrere zehntausend Wohnungen an Konzerne.

Da allerdings könnte auch der Haken sein: Der Kaufrausch am Immobilienmarkt lässt manche Experten schon vor einer Blase warnen. Was also, wenn die Konzerne, die nun Milliarden gezahlt haben, zu optimistisch waren?

Dazu kommt: Anleger können nicht automatisch darauf setzen, dass Aktien zulegen werden, die mit deutlichem Abschlag auf den sogenannten Net Asset Value (NAV), also den Buchwert der Immobilien abzüglich der Schulden, gehandelt werden. Wer sich für den Kauf von Immobilienaktien interessiert, sollte sich die einzelnen Unternehmen genau ansehen.

Gagfah etwa kann zwar ebenfalls auf einen beachtlichen Kursanstieg seit Jahresbeginn verweisen, hat aber ein Refinanzierungsproblem: In den kommenden Monaten werden Kredite über mehr als drei Milliarden Euro fällig. Und die Banken, so heißt es in Branchenkreisen, zeigten sich bislang zickig - selbst wenn der Konzern die Refinanzierung schlussendlich hinbekommt, könnte das jedenfalls ziemlich teuer werden und in der Folge Erlöse und Dividende drücken.

© SZ vom 07.07.2012/wolf

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