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Haus kaufen:Wie viel Prozent Tilgung sind sinnvoll?

Die monatlich an die Bank zu leistende Rate setzt sich aus Zinsen und Tilgung zusammen. In kleinen Schritten wird das Darlehen zurückgezahlt. War lange Zeit eine Tilgung von einem Prozent des Darlehensbetrags üblich, macht derzeit das Zinstief höhere Tilgungssätze möglich (Stand Dezember 2015). Geld, das nicht für Zinsen aufgewendet werden muss, kann in die Rückzahlung fließen. Der große Vorteil: Man ist seine Schulden schneller wieder los und zahlt damit auch insgesamt weniger Zinsen.

Konkret kann das folgendermaßen aussehen: Wer ein Darlehen von 100.000 Euro zu einem Sollzinssatz von zwei Prozent und mit einer anfänglichen Tilgungsrate von einem Prozent aufnimmt, zahlt im Monat 250 Euro. Schuldenfrei ist er erst nach etwa 55 Jahren. Die Zinskosten summieren sich in dieser Zeit auf insgesamt knapp 65.000 Euro. Entscheidet sich der Kreditnehmer für eine Anfangstilgung von drei Prozent, zahlt er zwar mit 416 Euro eine höhere monatliche Rate, ist aber nach etwa 25 Jahren schuldenfrei. Die Zinskosten belaufen sich in diesem Fall auf rund 28.000 Euro.

Verbraucherschützer Hentschel warnt sogar ausdrücklich davor, derzeit einen Kreditvertrag mit einer Tilgung von nur einem Prozent abzuschließen. "Die niedrigen Raten mögen verlockend klingen, aber wenn zum Ende der Laufzeit die Zinsen dann beispielsweise bei sieben Prozent liegen, steigt die Belastung schlagartig."

Variable Tilgung

Eine sinnvolle Alternative könne ein Vertrag mit variabler Tilgung sein, sagt Hentschel: Dabei darf der Tilgungssatz während der Zinsbindungsfrist meist zwei- bis dreimal geändert werden, beispielsweise wenn ein Partner in die Babypause geht und ein Einkommen wegfällt.

Eine andere Möglichkeit, den Kredit während der Laufzeit zurückzuzahlen, sind Sondertilgungen. Sie bieten sich an, wenn man beispielsweise eine Erbschaft gemacht hat oder eine Lebensversicherung fällig wird. Sondertilgungsmöglichkeiten werden im Darlehensvertrag festgelegt. Die Flexibilität hat ihren Preis: "Da diese Option bei der Bank zusätzliche Refinanzierungskosten verursacht, sind diese Darlehensvarianten teurer als herkömmliche Festzinskredite", sagt eine Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken.

Langfristige Sondertilgungsrechte gegen Zinsaufschlag

Ein jährliches Sondertilgungsrecht von bis zu fünf Prozent der Kreditsumme ist bei vielen Banken noch kostenlos. Zehn Prozent im Jahr gibt es dagegen meist nur gegen Zinsaufschlag. "Man sollte sich deshalb gut überlegen, ob man so hohe Sondertilgungsmöglichkeiten überhaupt braucht", betont Jörg Sahr. Wer tatsächlich in den nächsten Jahren schon sicher mit einer größeren Summe rechnen könne, die in die Darlehenstilgung fließt, der sollte für einen Teil des Darlehens eine kürzere Sollzinsbindung wählen.

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