Gipfel der Notenbanker in Jackson Hole:Der amerikanische Arbeitsmarkt krankt

Die jüngsten Nachrichten aus der amerikanischen Wirtschaft sind ernüchternd. Ohnehin war zu erwarten gewesen, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte nachlassen würde. Bisher wurde der Aufschwung in den USA vor allem vom Konjunkturprogramm der Regierung von Präsident Barack Obama und dem Aufbau von Lagerbeständen in den Unternehmen getragen. Der Einfluss dieser Faktoren auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage lässt in der zweiten Jahreshälfte unvermeidlich nach. Nun deuten die meisten Indikatoren darauf hin, dass die Korrektur nach unten noch schärfer ausfällt als erwartet.

Hinweise kommen vor allem aus dem Arbeitsmarkt. Die amerikanischen Firmen verdienen zwar wieder gut, aber sie stellen noch immer kaum neue Leute ein. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung - der wichtigste Frühindikator für die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt - ist vorige Woche zwar um 31.000 auf 473.000 gesunken. Das ist aber kaum ein Grund zur Erleichterung, denn im Durchschnitt der vergangenen vier Wochen liegen die Zahlen immer noch deutlich höher als im November 2009.

Revision der Wachstumsprognose nach unten

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist also niedriger als Ende des vorigen Jahres. Es könnte sogar sein, dass in der US-Wirtschaft bereits wieder Jobs vernichtet werden. Die Konsumausgaben der Privathaushalte wachsen vor diesem Hintergrund nur sehr langsam, im Wohnungsmarkt hat die Erholung noch gar nicht begonnen und die Kreditvergabe der Banken geht weiter zurück.

Einige Ökonomen vermuten jetzt, dass die letzte Rezession noch schwerer war, als dies bisher in den Zahlen deutlich wurde. Sie rechnen zumindest damit, dass das US-Wirtschaftsministerium das offiziell gemessene Wachstum aus dem zweiten Quartal deutlich heruntersetzen wird. Jan Hatzius, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs für Nordamerika, sagt für die zweite Jahreshälfte ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA von nur noch 1,5 Prozent voraus (auf annualisierter Basis).

Trifft diese Prognose ein, dann sind die bisherigen offiziellen Schätzungen von drei Prozent oder mehr für das Gesamtjahr und von 2,9 Prozent für 2011 obsolet. Hatzius sieht die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall in die Rezession bei 25 bis 30 Prozent.

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