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Geldanlage:Immer mehr Banken verlangen Strafzinsen

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Von den gut 160 Geldhäusern, die der Befragung antworteten, gaben 107 Banken und Sparkassen an, Negativzinsen zu berechnen.

(Foto: dpa)
  • Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat Auswirkungen auf private Anleger: Immer mehr Banken verlangen bei größeren Guthaben Strafzinsen.
  • 30 Institute forderten Geld für die Verwahrung von Einlagen in Höhe von mindestens 100 000 Euro, ergab eine Umfrage im Auftrag der Süddeutschen Zeitung.
  • Auch die Gebühren für Girokonten steigen.

Immer mehr Banken und Sparkassen in Deutschland verlangen von ihren Kunden Negativzinsen: Sie kassieren also Geld fürs Verwahren von Guthaben, statt selbst Zinsen dafür zu zahlen. Dies zeigt eine Umfrage des Verbraucherportals biallo.de im Auftrag der Süddeutschen Zeitung. Geld kostet dies vor allem Geschäftskunden. Aber auch vermögende Privatkunden werden von etlichen Instituten zur Kasse gebeten, in der Regel von einer Summe von 100 000 Euro an werden dann sogenannte Strafzinsen fällig. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vorige Woche angekündigt, ihre Politik der Null- und Negativzinsen beizubehalten. Daher dürfte es bald für noch mehr Bankkunden teurer werden.

In der Umfrage wurden mehr als 1200 Geldinstitute befragt. Von den gut 160, die antworteten, gaben 107 Banken und Sparkassen an, Negativzinsen zu berechnen. Darunter verlangten fast alle von ihren Firmenkunden diese Art von Strafzins. 30 Institute forderten auch von Privatkunden Geld für die Verwahrung von Einlagen, wenn diese eine Höhe von mindestens 100 000 Euro erreichen. Bei fast zwei Drittel betrug der negative Einlagezins 0,4 Prozent pro Jahr. Das entspricht den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Bei einer Million Euro sind dies im Jahr 4000 Euro.

Mehrere Banken kündigten in der Umfrage außerdem an, Negativzinsen einzuführen, wenn die Notenbank ihren Einlagezins weiter senken sollte. Die EZB rechnet damit, dass die Zinsen mindestens bis in die zweite Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden. Es gilt damit als möglich, dass die Notenbank den Strafzins in naher Zukunft erhöhen könnte.

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Horst Biallo, Gründer und Chef des gleichnamigen Verbraucherportals, nimmt aber nach eigener Aussage nicht an, dass nun Banken und Sparkassen in großem Stil auch von Privatkunden mit kleineren Vermögen Strafzinsen kassieren wollen: "Das würde dem Image zu sehr schaden, weil man damit Kunden verprellt." Er glaube, dass die Institute weiter die Gebühren für Girokonten erhöhen, ohne viel darüber zu reden. Der Umfrage zufolge haben bereits im ersten Halbjahr 2019 knapp ein Fünftel der Institute bei den Gebühren für Girokonten draufgesattelt. "Wenn Kunden auf einmal 5,50 statt 4,50 Euro im Monat Grundgebühr fürs Girokonto abgebucht wird, fällt das nicht so auf", sagte Biallo. Er rät davon ab, viel Geld auf Konten ohne Zinsen oder mit Minuszinsen liegen zu lassen. "Das ist eine miese Geldanlage, erst recht, weil die Inflation das Vermögen weiter reduziert."

Ohnehin ist der Spielraum der Banken begrenzt, wenn sie an den Negativzinsen drehen wollen, zumindest bei Tages- oder Festgeld. "Einlagen sind rechtlich Darlehen des Kunden an die Bank, dafür darf die Bank nicht mittels Preisaushang Negativzinsen verlangen", sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die schon erfolgreich gegen Negativzinsen geklagt hat. Individuelle Vereinbarungen fürs Verwahren größerer Summen seien aber möglich.

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