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Freiluftkochen:Brutzeln zwischen Blumen

Ob für Grills oder komplette Küchen: Die Deutschen lassen sich den Spaß einiges kosten.

Laue Sommerabende auf der Terrasse, ein nettes Kaffeekränzchen in der Nachmittagssonne - wenn es draußen schön warm ist, zieht es die Menschen in den Garten. "In anderen Ländern wie zum Beispiel den Niederlanden gestalten und nutzen die Menschen ihre Gärten mehr. Deutschland hängt noch etwas hinterher, was die wohnliche Gestaltung des Außenbereichs angeht", sagt Landschaftsplaner Michael Kupka. "Allerdings holen die Leute hierzulande auf", sagt der Fachmann. Das belegen Zahlen der IFH Retail Consultants GmbH, eine Tochtergesellschaft des IFH Institutes für Handelsforschung in Köln. Mehr als 18 Milliarden Euro investierten Verbraucher 2016 in ihre Gärten, Terrassen und Balkone, zeigt eine Auswertung der Berater und Marktforscher. Allerdings verschiebt sich das Interesse: Während die Gartenbesitzer bei den Blumen zuletzt etwas sparten, lassen sie sich Grill-Utensilien zunehmend mehr kosten. Registrierten die Verkäufer im Jahr 2000 noch einen Umsatz in Höhe von etwa 311 Millionen Euro für Grill-Equipment, waren es 2016 schon 1,2 Milliarden Euro.

Viele Gartenbesitzer scheinen erkannt zu haben, dass man sich zwischen Blumen und Gräsern nicht nur gut ausruhen, sondern auch prima Essen zubereiten kann. "Kochen und Grillen im Garten sind gerade sehr in", sagt Anna Hackstein vom Industrieverband Garten (IVG). Das Ganze könne eine Gegenentwicklung zum Stress der heutigen Zeit sein, spekuliert Elmar Fetscher, Herausgeber eines Grillmagazins.

Der Landschaftsplaner Michael Kupka teilt die Kunden grob in zwei verschiedene Gruppen ein: "Die erste Gruppe kocht einfach gerne draußen." Die anderen Kunden seien diejenigen, die früher ihre Freunde in die Garage geholt hätten, um das neue Auto zu zeigen. "Die präsentieren nun ihren neuen Grill oder die neue Outdoor-Küche", meint er.

Auf diversen Gartenmessen zeigt die Branche, was sie zu bieten hat: von großen kugeligen Keramik-Grills über gigantische Öfen bis hin zu komplett ausgestatteten Küchen für den Außenbereich. Bei der Gartenmesse Spoga + Gafa in Köln im nächsten September gibt es zum ersten Mal eine Halle nur mit Outdoor-Küchen. "Die Branche hat sich innerhalb von drei Jahren enorm verändert", resümiert Martin Häringer, Gartenbauer in Wasserburg. Die Entwicklung verlaufe ähnlich wie bei Schwimmteichen vor 20 Jahren. "Die kannte zunächst niemand, im Laufe der Zeit haben sie sich etabliert", sagt er.

Ähnlich ergeht es nun wohl den Outdoor-Küchen. Zwar bieten Hersteller noch einfache Standardgrills an, aber die Produktpalette hat sich stark erweitert. Mittlerweile erhält man zahlreiche Zusätze. So gibt es für Freiluftköche zum Grill extra Spülen, Flächen für Wok oder Waffeleisen und Schränke für die Aufbewahrung. Ebenfalls beliebt: eine Plancha. Dabei handelt es sich um eine Metallplatte, auf der man bei hohen Temperaturen komplette Menüs kochen kann. Manche Freiluftküchen wirken wie schicke Wohnküchen für den Innenbereich. Andere sind rustikal gemauert. Gartenbauer Häringer hat mit seiner Firma "Die Outdoorküche" die Kitchen in the Box entwickelt - ein Küchen-Fertigmodul, das vor Regen schützt und transportabel ist. Eine Küche für den Außenbereich hat allerdings ihren Preis. 30 000 bis 40 000 Euro lassen sich manche Käufer das Ganze kosten. Das bedeutet aber nicht, dass eine Outdoor-Küche nur für Hausbesitzer mit viel Platz und viel Geld in Frage kommt. Leute mit weniger Wohnraum und schmalem Geldbeutel können die Möglichkeit ebenfalls nutzen. Wer wenig Geld hat, kann sich selbst eine Küche zusammenbauen. Tipps und Ideen dafür findet man zum Beispiel in Youtube-Videos oder auf Internetseiten von Möbelhäusern - auf einer ist eine Küche zu sehen, zusammengestellt aus drei Servierwagen und einem Grill - das ist praktisch, denn im Winter lässt sich das Ensemble einfach wegrollen.

Eine Outdoor-Küche bietet für viele ein besonderes Lebensgefühl. Die Gastgeber kochen draußen und verbringen die Zeit mit ihren Gästen. Sie hat aber auch praktische Vorteile. "Wer draußen kocht oder grillt, hat keine Geruchsbelästigung im Haus", meint Fetscher. Was Nachbarn davon halten, ist eine andere Frage. Gut eingerichtet seien solche Küchen sogar das ganze Jahr nutzbar und stellten eine Erweiterung des Wohnraums dar, so Fetscher. Wer seine Küche langfristig nutzen möchte, muss sich allerdings genauer Gedanken über Bau und die zu verwendenden Geräte machen. Die Anlage muss nicht nur ausreichend vor Sonne geschützt sein, sondern auch vor Regen. Die Wasserzufuhr außerhalb des Hauses muss ebenfalls gewährleistet sein, und die Besitzer brauchen eine Lösung für das Abwasser.

Herkömmliche Küchenhersteller sind auf solche Aufgaben nicht unbedingt eingestellt, darum agieren andere Firmen in dem Bereich. "Grillhersteller und Händler vernetzen sich mit Planern und Gartenbauern, um Lösungen zu liefern", berichtet Fetscher. Der Online-Händler Gardelino zum Beispiel existiert seit zehn Jahren: "Ich habe mir damals eine Outdoor-Küche gebaut und das Ergebnis im Internet präsentiert", erzählt Unternehmensgründer Tobias Naegele. Das Interesse der Internetnutzer war so groß, dass der ehemalige IT-Unternehmensberater sich damit selbständig machte. Die Firma vermittelt nicht nur Produkte, sondern unterstützt auch bei der Planung von Küchen und kooperiert mit verschiedenen Gartenbauern, Landschaftsarchitekten und Handwerkern.

Ohne Kreativität und Innovationsfreude funktioniert die Tätigkeit nicht. "Man muss schauen, wo man die Einbauten herbekommt", beschreibt Kupka, der ebenfalls Outdoor-Küchen plant, seine Arbeit. Er lässt sich zum Beispiel Kühlschränke aus Großbritannien liefern, weil die winterfest sind. Gardelino-Gründer Naegele wertet den Bereich trotz der derzeitigen Euphorie aber als Nischenmarkt und stellt fest: "Das Interesse steigt, aber schon aus Platzgründen wird künftig nicht jeder in Deutschland eine Outdoor-Küche sein eigen nennen."