Süddeutsche Zeitung

Euro in der Krise:Ansturm auf die Rettungs-Anleihe

Es war ein wichtiger Test für Europa - und Europa hat ihn bestanden. Die Investoren reißen sich um die erste Anleihe des Rettungsfonds. Kommt jetzt eine alte Idee wieder auf den Tisch?

Helga Einecke

Die erste Anleihe des Euro-Rettungsfonds EFSF war ein voller Erfolg. Mehr als 500 institutionelle Investoren wollten mit 44,5 Milliarden Euro einsteigen, benötigt wurden aber nur fünf Milliarden Euro.

Der Fonds musste diese Summe besorgen, nachdem das finanziell angeschlagene Irland im November als erstes Euroland unter den Rettungsschirm von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) geschlüpft war. Das Land soll 85 Milliarden Euro Unterstützung bekommen. 17,5 Milliarden davon übernimmt der EFSF. Wegen der starken Nachfrage und der Bonität der Euroländer, die hinter dem Fonds stehen, fiel der Zinssatz mit 2,89 Prozent moderat aus. Zum Vergleich: Bundesanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren werden auf 2,35 Prozent taxiert, also noch ein halber Prozentpunkt günstiger.

Experten zeigten sich über die hohe Nachfrage wenig überrascht. Darius Hinz, Analyst der DZ Bank, sagte: "Der Markt zeigt, was er will". Der Markt wolle offenbar europäische Anleihen und zwar mehr als angeboten werden. Schon die jüngste Kreditaufnahme der EU-Kommission sei sehr gut gelaufen. Anfang Januar hatte die EU-Kommission zur Finanzierung ihrer Irlandhilfen fünf Milliarden Euro zum Zins von 2,5 Prozent aufgenommen. Damals waren 20 Milliarden Euro geboten worden.

Die Investoren suchen nach Alternativen zu den Bundesanleihen oder französischen Anleihen. Dabei geht es nicht nur um sichere Anlagen, sondern auch darum, dass diese handelbar sind, also jederzeit ge- und verkauft werden können. Anleihen von Griechenland, Irland oder Portugal werden derzeit kaum gehandelt, auch weil Banken sie zu niedrigen Kursen nicht abstoßen wollen oder weil sie in den Büchern der Europäischen Zentralbank gelandet sind.

Hohe Nachfrage aus Asien

Die hohe Nachfrage nach EFSF-Anleihen dürfte vor allem Luxemburgs Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker gefallen. Der propagiert Euroanleihen, also gemeinsame Anleihen aller Mitgliedsländer des Euro. Damit stößt er aber auf den Widerstand der deutschen Regierung, die bei einer gemeinsamen Anleihe ihren Zinsvorteil am Finanzmarkt verlieren würde. Die Staatsanleihen der deutschen Regierung haben deshalb so niedrige Zinsen, weil das Ausfallrisiko als äußerst gering eingestuft wird. Offenbar war die Nachfrage nach der EFSF-Anleihe vor allem aus dem asiatischen Raum sehr groß. Schon vorab hatten japanische Investoren verkündet, dass sie ein Fünftel der neuen Anleihe übernehmen wollten.

Allerdings gilt der EFSF und seine Unterstützung für Irland und andere Euroländer, die in Schwierigkeiten kommen, nur als ein Zwischenschritt. Sollten nach Irland noch weitere Länder wie Portugal oder Spanien Milliarden benötigen, könnten die Kapazitäten des Fonds nicht ausreichen, dessen Existenz ohnehin zeitlich begrenzt ist. Dem Fonds soll ein dauerhafter Mechanismus folgen, über den sich in Not geratene Euroländer finanzieren können.

Allerdings sind sich die Politiker im Euroraum über die Details noch nicht einig. Es gibt Vorschläge, den Fonds aufzustocken und ihn mit neuen Rechten auszustatten. Ein Befürworter dieser Richtung ist EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der in dem Fonds eine Alternative zu den Anleihe-Käufen der Notenbank sieht. Denn die EZB hat bereits Anleihen von Portugal, Griechenland oder Irland in Höhe von 78 Milliarden Euro in ihren Büchern. Sie kauft diese Anleihen immer dann auf, wenn deren Kurse stark zurückgehen.

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SZ vom 26.01.2011/aum
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