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Bankenverband: Manfred Weber:Zu dogmatisch - zu wenig zugehört

Ende mit Schrecken: Nach 18 Jahren drängt der Bankenverband seinen Vorstand aus dem Amt. Cheflobbyist Manfred Weber muss gehen.

Lange hatte Manfred Weber dem internen Druck standgehalten. Jetzt steht der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) doch vor der Ablösung.

Am Freitag teilte der Verband mit, der 59-Jährige werde zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen.

Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2013. Weber hatte die private Bankenlobby 18 Jahre lang geführt. Doch seit einiger Zeit ist er intern umstritten.

"Zurück zu alter Stärke"

Außerdem will Andreas Schmitz, Präsident des Verbandes und Chef der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt, den BdB reformieren. Zwischen ihm und Weber soll es auch persönlich nicht gestimmt haben, hieß es in Bankenkreisen.

"Der Verband muss endlich zu seiner alten Stärke zurückfinden", sagte der Sprecher einer Mitgliedsbank. Im Vorstand des Verbandes gibt es dem Vernehmen nach starke Stimmen, die seit Monaten auf eine Ablösung Webers drängen.

Dem Gremium gehören elf Manager an, unter anderem die Chefs der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Hypovereinsbank, Josef Ackermann, Martin Blessing und Theodor Weimer. In Bankenkreisen heißt es, vor allem Blessing und Weimer seien zuletzt nicht glücklich mit Webers Arbeit gewesen.

Bewegung kam in die Personalie, nachdem Schmitz den früheren Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller an der Spitze des Verbandes ablöste. Die betreffenden Banken äußerten sich dazu nicht. In der Mitteilung des Verbandes heißt es, der Vorstand danke Weber "für die langjährige erfolgreiche Vertretung ihrer Interessen" und werde seine Verdienste Ende des Jahres entsprechend würdigen.

Seine Kritiker werfen Weber vor, er habe in der Finanzkrise zu spät reagiert und die Mitgliedsbanken in dieser schwierigen Phase zu lange im Regen stehen lassen. Die Verbände der öffentlichen Banken und der Genossenschaftsbanken hätten die Interessen ihrer Mitglieder in der Zeit besser vertreten.

Auch werfen Mitglieder Weber vor, er sei in der internen Zusammenarbeit schwierig gewesen und in seinen Positionen zu dogmatisch. Er habe über die Jahre die Fähigkeit verloren, den Leuten zuzuhören und habe sich schwer getan, im Team zu arbeiten.

"Klare Orientierung"

Unbestritten seien aber die fachlichen Kenntnisse und die Verdienste Webers. Er habe den Job vielleicht zu lange gemacht. In der Rücktrittsankündigung wird seine "klare ordnungspolitische Orientierung" gelobt. So trug Weber maßgeblich dazu bei, dass die EU-Kommission den öffentlichen Landesbanken einige Privilegien im Wettbewerb mit den Privatinstituten nahm: Unter anderem fiel die Staatsgarantie weg.

Über Webers Nachfolge soll spätestens bis Mai entschieden werden. Im Herbst soll der neue Chef antreten, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen. In Bankenkreisen heißt es, mehrere Kandidaten seien im Gespräch. Der Verband sucht seit einiger Zeit einen zweiten stellvertretenden Hauptgeschäftsführer, aus dem Kreise der Kandidaten für diese Position könnte auch die neue Nummer Eins kommen.

Auf den Weber-Nachfolger kommen schwere Aufgaben zu. Die Finanzkrise hat die Branche kräftig durcheinandergewirbelt. Die Branche sieht sich mit einer weitaus strengeren Regulierung konfrontiert, die in diesem Jahr konkretisiert wird und dann von den Staaten umzusetzen ist. Es geht um höhere Kapitalanforderungen, neue Regeln für die Bezahlung von Managern, verbessertes Risikomanagement und die Frage, wie Banken geordnet abgewickelt werden können. Die Auseinandersetzung über diese Themen prägte jedoch Deutsche-Bank-Chef Ackermann weitaus mehr als der Verband.

Ein besonders schlechtes Bild gaben die privaten Banken in der Krise beim Thema Einlagensicherung ab. Die Pleite der deutschen Tochter von Lehman Brothers machte deutlich, dass Kundeneinlagen auf dem Papier bis zu enorm hohen Beträgen gesichert sind. Doch schon bei dem Zusammenbruch einer vergleichsweise kleinen Bank stieß das Sicherungssystem an seine Grenzen. In der EU gibt es Überlegungen, eine bessere Absicherung für Bankkunden in den Mitgliedsländern einzufordern. Der BdB arbeitet dem Vernehmen nach an Modellen, die die Finanzierbarkeit der Sicherung wieder gewährleisten sollen.

Angesichts dieser umwälzenden Veränderungen in der Branche möchte Bankenpräsident Schmitz den Verband reformieren und schlagkräftiger machen. Unter anderem sollen Zuständigkeiten neu geordnet und Schwerpunkte der Lobbyarbeit anders gesetzt werden. Doch erst wenn der neue Hauptgeschäftsführer an Bord ist, dürfte die neue Verbandsstruktur konkretere Gestalt annehmen.