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Tiktok und Oracle:Ein hochpolitischer Deal

Hat nun einen US-Partner: die beliebte chinesische Video-App Tiktok.

(Foto: AP)

Microsoft ist raus aus dem Wettbieten um Tiktok, das die USA erzwungen haben. Die chinesischen Eigentümer der beliebten Video-App wollen Berichten zufolge mit dem Oracle-Konzern arbeiten - die ganze App werden sie wohl nicht verkaufen.

Von Christoph Giesen, Peking, und Jannis Brühl

Es ist einer der politischsten Deals des Jahres, und Microsoft ist raus. Der Konzern aus Redmond hat den Bieterstreit um die Video-App Tiktok verloren. Stattdessen hat sich Tiktoks Eigentümer, der chinesische Konzern Bytedance, entschieden, in den USA mit dem Softwareunternehmen Oracle zusammenzuarbeiten. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien, darunter das Wall Street Journal (WSJ) und die Washington Post. Weder Tiktok noch Oracle wollten sich am Sonntagabend dazu äußern.

Offensichtlich versucht Bytedance mithilfe von Oracle, einen Verkauf von Tiktok zu umgehen. Dem WSJ zufolge soll es nicht mehr um so einen Verkauf an Oracle gehen, sondern um eine "Technologie-Partnerschaft", also vermutlich um einen Umbau der Unternehmensstruktur, der den Sicherheitsbedenken der USA gegen Tiktok Rechnung tragen soll. Oracle würde dann Reuters zufolge die Hoheit über die Daten von US-Nutzern haben.

Auf Tiktok laden vor allem Teenager kurze Videos mit Tänzen oder Sketchen hoch. Die App verbreitet sich weltweit rasant und macht Facebook und Instagram Konkurrenz. Bislang gehört Tiktok dem Social-Media-Konzern Bytedance aus Peking.

Die App mit den spielerisch-harmlosen Inhalten geriet in den Sog des Konflikts zwischen den USA und China. Trump hatte den Verkauf der App forciert, in zwei präsidialen Dekreten zwang er Bytedance, Tiktok bis November abzustoßen. Entweder werde die App bis dahin von einem US-amerikanischen Eigentümer übernommen, oder die App werde in den USA verboten - vermutlich mit Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Tiktok auf der ganzen Welt.

Die US-Regierung argumentiert mit der nationalen Sicherheit, weil Tiktok dem chinesischen Staat den Zugriff auf Daten und Kommunikation seiner - auch amerikanischen - Nutzer ermögliche. Chinesische Sicherheitsgesetze erlauben dortigen Behörden tatsächlich den Zugriff, Bytedance argumentiert jedoch, Sitz der Holding, zu der Tiktok gehört, seien die Cayman Islands, nicht China. In der Volksrepublik wiederum gibt es Tiktok nicht, sondern nur eine chinesische Zwillings-App namens Douyin.

Der Softwarekonzern Microsoft hatte am Sonntag mitgeteilt, dass Bytedance das Kaufangebot des Konzerns abgelehnt habe. Man sei sicher gewesen, "dass unser Angebot gut für Tiktok-Nutzer gewesen wäre, während nationale Sicherheitsinteressen geschützt" gewesen wären, hieß es in einer Microsoft-Mitteilung. Das Unternehmen hatte seit Wochen über eine Übernahme des Tiktok-Geschäfts in den USA, Kanada, Neuseeland und Australien verhandelt.

In den vergangenen Tagen hatte die Regierung in Peking noch versucht, den Deal mit neuen Regeln zu torpedieren: Algorithmen, das legte das chinesische Handelsministerium fest, könnten nur nach Zustimmung der Behörden an ausländische Unternehmen verkauft werden. Algorithmen, Quellcodes und Software bilden das Herz von Tiktok. Zudem arbeitet Tiktok auch mit künstlicher Intelligenz und zeigt den Nutzern beinahe ausschließlich Videos, bei denen der Dienst aufgrund der zuvor geschauten Videos davon ausgeht, dass sie diese mögen. Das gilt als Erfolgsrezept, mit dem die App ihre jungen Nutzer länger in ihren Bann zieht als andere bild- und videolastige soziale Netzwerke.

Deshalb bleibt unklar, ob Tiktok nach dem Deal mit Oracle in seiner derzeitigen Form erhalten bleibt. Tiktoks Algorithmus gilt als entscheidend für seine Beliebtheit. Die South China Morning Post berichtete noch am Sonntagabend, dass Bytedance sich nur auf einen Deal einlassen werde, bei dem der chinesische Konzern den Algorithmus nicht weitergeben müsse.

Das wirft die Frage auf, ob eine US-Variante der App nach dem Deal überhaupt so gut funktionieren würde wie die aktuelle Variante aus China, die weltweit von Hunderten Millionen Menschen genutzt wird, oder ob Oracle lediglich eine bunt blinkende, aber leere Hülle verwalten darf.

Ob sich Trump mit den Plänen von Bytedance und Oracle zufrieden gibt, ist fraglich. Er hatte noch am Freitag eine Verlängerung der bis zum 20. September laufenden Frist für TikTok abgelehnt und gesagt: "Es wird entweder geschlossen oder sie verkaufen es." Zudem hatte Trump schon vor Wochen verkündet, seine Regierung wolle einen Anteil am Kaufpreis, man vermittele den Deal ja. Ob das rechtlich überhaupt möglich ist, ist unklar.

Tiktok hat immer wieder betont, man gebe keine Daten an die chinesische Regierung weiter. Allerdings geben chinesische Gesetze der Regierung weitreichende Macht über Daten von heimischen Konzernen. Tiktok wehrt sich in den USA auch gerichtlich gegen den angedrohten Zwangsverkauf.

Der chinesisch-amerikanischen IT-Kampf wäre aber auch nach einer Übereinkunft von Oracle und Bytedance nicht zu Ende. Trump hat nämlich auch die Multifunktions-App Wechat des chinesischen Software-Konzerns Tencent verboten. Vom 20. September an soll sie in den USA verboten sein.

Dass auch Tencent zum Ziel wurde, verrät mehr über Trumps Strategie. Er will offensichtlich nicht nur die chinesische IT-Industrie bestrafen und Daten von US-Amerikanern schützen. Er schaltet auch einen der wenigen Konkurrenten des Silicon Valley auf der Welt aus. Nur den chinesischen Konzernen Tencent und Alibaba - und in begrenztem Maß Bytedance mit Tiktok - ist es gelungen, zumindest beinahe so groß zu werden wie Facebook, Google oder Amazon.

© SZ/AP/dpa/jobr/jab/mri
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