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Strava:Sogar aus einem Atomkraftwerk gibt es Strava-Aufzeichnungen

Die Daten decken einen Zeitraum von 2015 bis September 2017 ab. Der Journalist Adam Rawnsley weist etwa auf ungewöhnliche Bewegungsprofile hin, die im Norden von Rakka zu sehen sind. Der syrische Ort war bis Oktober 2017 die Hochburg des Islamischen Staates (IS), immer wieder kam es dort zu Kämpfen.

Die Strava-Karte zeigt, in welchen Gebieten die Soldaten womöglich aktiv sind - sowohl in den Basen als auch um sie herum. Darauf weist unter anderem der BBC-Journalist Aliaume Leroy hin. Aus den Jogging-Routen lasse sich außerdem rekonstruieren, wie die Standorte aufgebaut sind. All das können militärisch wertvolle Informationen sein. Sogar ein Mitarbeiter eines britischen Atomkraftwerks hat anscheinend seine Bewegungsdaten am Arbeitsplatz veröffentlicht.

Die Webseite mit der Strava-Karte ist öffentlich und funktioniert wie Google Maps. Orte lassen sich gezielt suchen. Dann lässt sich entweder so lange in das Bild hinein- oder aus dem Bild herauszoomen, bis Aktivitäten sichtbar werden. In der App lässt sich einstellen, ob eigene Daten als privat abgespeichert werden sollen. Dann sind sie für Dritte nicht einsehbar. Die meisten Nutzer haben diese Option nicht aktiviert. Womöglich ist ihnen nicht bewusst, was mit ihren Daten passiert und welche Konsequenzen das haben könnte.

Das US-Militär warnt seit Jahren vor Geodaten

Auch über Dienste wie Google Earth, die Satellitenbilder nutzen, lassen sich militärische Basen orten. Doch da die Strava-Daten sehr aktuell sind, zeigen sie mitunter Orte, die auf Google Maps nicht verzeichnet sind. Für das Programm werden oft veraltete Satellitenfotos verwendet.

Strava erklärte der Technik-Seite The Verge, dass die Daten anonymisiert und aggregiert angezeigt würden. Es ließen sich also keine Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Personen ziehen. In der App ist es möglich, einen Korridor von bis zu einem Kilometer zu bestimmen, der geheim gehalten wird. So soll sichergestellt werden, dass diese Routen öffentlich geteilt werden können, ohne dass der Wohnort oder der Arbeitsplatz erkennbar wird.

Das US-Militär warnt seit Jahren vor Diensten mit Ortungsdaten. 2007 veröffentlichten Soldaten Fotos von Helikoptern, die in einer Militärbasis im Irak landeten. In den Fotos waren die Geodaten enthalten. Kurz darauf soll es einen Angriff mit Mörsergranaten gegeben haben, der möglicherweise damit in Zusammenhang stand.

Mitarbeit: Felix Ebert

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