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Second Hand:So läuft das Geschäft mit gebrauchter Software

Windows 7 vor der Einführung

2009 kam Windows 7 in den Handel, mittlerweile gibt es die Software auch gebraucht

(Foto: dpa)

Second-Hand-Software - gibt's das überhaupt und ist das legal? Ist es, aber einige Fehler sollte man vermeiden und um unseriöse Anbieter einen Bogen machen.

Die IT-Geschäftswelt ist gut für Überraschungen, das weiß Harry Voortmann. Vor allem weiß er das zu schätzen. "Vor zehn Jahren wusste ich noch gar nicht, was Gebrauchtsoftware ist", sagt der 62-Jährige und lacht. Und heute? Heute macht er damit Millionenumsätze. Voortmann ist Vorstandsvorsitzender der ReLicense AG, einem Handelsunternehmen für gebrauchte Software im oberbayerischen Wörthsee.

Zusammen mit drei Kollegen aus der IT-Branche hat er die Firma 2008 gegründet. 16 Mitarbeiter verdienen mittlerweile ihr Geld damit, Lizenzen für Computerprogramme zu kaufen und wieder zu verkaufen. Sie suchen Unternehmen oder Organisationen mit mindestens 1000 PC-Arbeitsplätzen, die ihre Software gerne loshätten - weil sie auf eine neue Version umrüsten oder weil sie mehr Lizenzen gekauft haben als sie tatsächlich gebraucht haben, und diese nun ungenutzt sind. Dafür suchen sie neue Abnehmer.

Zu den Interessenten gehören Firmen, aber auch Verbände oder Behörden, die ihre bisherigen Softwarebestände aufstocken wollen und natürlich auch solche, die schlichtweg durch die günstigen Preise gelockt werden. Denn die Kosten für Gebrauchtsoftware können um bis zu 70 Prozent unter dem Originalpreis liegen.

NY-WINDOWS DEBUT

Microsoft hat schon immer darauf geachtet, dass die Nutzer sich nicht um die Lizenzgebühren drücken konnten. Hier eine Protestaktion aus den 1990er-Jahren gegen Windows 95.

(Foto: Bob Strong/AFP)

Maßgebliches Urteil

Dass das nicht im Interesse der Software-Produzenten ist, liegt auf der Hand, gefährdet ein solcher Handel doch ihre wesentlichen Einnahmen: die Lizenzgebühren. Immer wieder haben sie daher den Weiterverkauf ihrer Lizenzen angefochten, und tatsächlich bewegte sich der Handel über Jahre in einer rechtlichen Grauzone. Bis zum 3. Juli 2012. Da fällte der Europäische Gerichtshof ein maßgebliches Urteil: Softwarelizenzen dürfen generell veräußert werden, die Hersteller können sich einem Weiterverkauf durch einen Kunden nicht widersetzen. Mehr noch: Das gilt nicht nur für Kopien auf CD, sondern auch für Software, die auf der Website des Herstellers heruntergeladen wurde. In Händlerkreisen wurde damals mutmaßlich gejubelt, in Herstellerkreisen eher geflucht.

Das Prozedere

In Unternehmen ändert sich immer wieder der Bedarf an Software - weil Mitarbeiter gehen oder neu dazukommen, weil die Betriebssysteme erneuert werden, weil eine Fusion ansteht oder Geschäftsbereiche aufgegeben werden. So können Softwarelizenzen überflüssig oder zusätzlich benötigt werden. Wer ältere oder auch neue Versionen einer Standardsoftware, etwa von Microsoft, oder Teile von größeren Volumenlizenzverträgen verkaufen möchte, kann sich an einen entsprechenden Händler wenden und die Nutzungsrechte verkaufen. Der Händler verlangt in der Regel einen Nachweis dafür, dass die Lizenz ordnungsgemäß gekauft wurde, etwa den Lizenzvertrag, die Originalrechnung, den Lieferschein sowie eine rechtmäßig erworbene oder hergestellte Kopie des Datenträgers oder einen USB-Stick mit der Software. Verkaufte Lizenzen dürfen natürlich nicht mehr vom Verkäufer eingesetzt werden beziehungsweise müssen deinstalliert werden. Oft haben Gebrauchthändler feste Preise oder Tarife, manchmal ist der Verkaufspreis auch Verhandlungssache. Gleiches gilt für den Erwerb von Gebrauchtsoftware. Meist führen Händler auf ihren Websites auf, welche Software sie zu welchen Preisen im Angebot haben oder auch suchen. All das gilt natürlich nicht für Mietsoftware, diese ist und bleibt Eigentum des Vermieters respektive Herstellers.

Viola Schenz

Das Urteil der Luxemburger Richter ist letztinstanzlich und damit nicht anfechtbar. Und es führte zu zahlreichen Neuzugängen auf dem Handelsplatz mit Gebrauchtsoftware. Die Zahl solcher Händler habe sich nach dem Juli 2012 verdoppelt, sagt Axel Oppermann, Geschäftsführer von Avispador, einem Beratungshaus in Kassel, der den IT-Markt und insbesondere die Gebrauchtsoftware-Branche seit Jahren beobachtet.

Einige hätten durch das Urteil Chancen gewittert und sich in dem Segment selbständig gemacht. Jetzt, im vierten Jahr nach dem Urteil, konsolidiert sich die Lage. Oppermann schätzt die Zahl der seriösen Anbieter auf ein knappes Dutzend, die anderen, die "semi-professionellen", wie er sie nennt, hätten inzwischen zumeist aufgegeben.