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Smart Home:Im wirklich smarten Zuhause funktioniert vieles wie von selbst

Das Gerät steckt noch heute in den mehr als 60 000 Smart Homes, die Loxone inzwischen weltweit ausgestattet hat. Doch geredet wird darüber kaum mehr. Viel lieber redet man darüber, welche Vorteile ein schlaues Heim bietet und dass man eben nicht das Licht mit dem Smartphone einschalten muss - für viele eine Horrorvorstellung. "Smartphone oder Tablet braucht man nur im Ausnahmefall", sagt Keinberger. Dann etwa, wenn Grundeinstellungen geändert werden sollen.

Ansonsten funktioniert vieles wie von selbst. Man drückt etwa beim Verlassen des Hauses einfach auf einen Taster - und das gesamte Haus "fällt in Tiefschlaf", wie Loxone-Mann Nader sagt. Heißt: Alle elektrischen Verbraucher werden ausgeschaltet, sofern sie nicht für den Betrieb des Hauses nötig sind, Heizung oder Klimaanlage werden heruntergeregelt.

Zugleich wird die Außenhaut scharf geschaltet, über Lautsprecher erinnert eine Stimme daran: "Die Alarmanlage ist eingeschaltet." Dass, wie beim eingangs beschriebenen Selbstversuch mit dem Vodafone-System, der Kleber des Fenstersensors versagt und nachts der Alarm losgeht, passiert hier eher nicht.

Wie smart man sein Haus einrichtet, ist - glaubt man Loxone - eher eine Frage des Geschmacks als der Komplexität. Automatische Jalousien, Fenstersensoren, Sprechanlage mit Videokamera, Lichtsteuerung gehören zur Grundausstattung. Zusätzlichen Wünschen ist fast keine Grenze gesetzt: Vom Rasensprenger, der aufhört zu gießen, wenn jemand vorbeiläuft, über einen Multimedia-Speicher mit Anbindung an den Streamingdienst Spotify oder Internet-Radiosender bis hin zur Sauna inklusive Lichttherapie-Ausstattung ist so ziemlich alles möglich.

20 000 Aufpreis im Vergleich zu einem "dummen" Haus

Natürlich ist die smarte Vielfalt auch eine Frage des Preises. Mit etwa 20 000 Euro Aufpreis im Vergleich zu einem "dummen" Haus müsse man schon rechnen, sagt Loxone-Geschäftsführer Keinberger. Darin seien aber die Lampen, die Multimedia-Anlage und die Alarmanlage schon enthalten. Für jede davon seien schnell 5000 Euro weg - so hoch sei also der Aufpreis gar nicht, und man erhalte viele Funktionen, die andere gar nicht liefern könnten. In jedem Loxone-Lichtschalter steckten zum Beispiel neben den Reglern für Musik und Lichtstimmung auch Fühler für Temperatur und Feuchtigkeit - Heizung und Klima ließen sich so erheblich besser regulieren.

Was viele aber noch vor dem Schritt zum vernetzten Heim zurückschrecken lässt, ist die Sorge, dass ein Teil des schlauen Hauses nicht richtig mit einem anderen zusammenspielt. Das haben mittlerweile viele Hersteller erkannt. Firmen wie das Start-up Smartfrog aus Berlin oder Coqon aus Bremen vertreiben aufeinander abgestimmte Geräte, bei denen sie garantieren, dass sie auch problemlos zusammenarbeiten.

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Andere wie etwa der Elektronikhändler Conrad bieten eine Plattform an, die sich sozusagen als Vermittlerin zwischen Geräte schiebt, die sich eigentlich nicht verstehen. Das ist dann aber schon eher eine Sache für Dienstleister oder für Nutzer, die Spaß daran haben, sich in die Technik einzuarbeiten. Zudem läuft die Plattform in der Cloud, das heißt, die Sicherheitskameras, Heizkörperventile, Fenstersensoren und was man sonst noch miteinander verknüpfen kann, kommunizieren mit dem Internet. Das muss nicht, aber es kann sehr problematisch werden.

Wer seine Systeme nicht absichert, macht es Hackern leicht

Vor wenigen Wochen erst meldete die Sicherheitssparte Talos des Technologie-Unternehmens Cisco, man habe eine Reihe von Lücken in Samsungs Smart Things Hub entdeckt - jenem Gerät, das Samsung unter anderem zusammen mit Vodafone vertreibt, um das Zuhause sicherer zu machen. "Insgesamt fand Talos 20 Sicherheitslücken", heißt es in dem Bericht. Eindringlinge hätten sich über das Internet - zumindest theoretisch - Zugriff verschaffen können auf Überwachungskameras, smarte Türschlösser, Bewegungssensoren, Steckdosen oder Thermostate. Eine Horrorvorstellung.

Über Angriffe ist in diesem Fall nichts bekannt. Anders erlebten das 2016 dagegen 1,5 Millionen Besitzer von vernetzten Überwachungskameras und digitalen Videorekordern. Hacker hatten ihre Geräte gekapert und sie für eine breite Welle von Attacken auf Internetangebote benutzt. Hätte das verhindert werden können?