Messenger Facebook ließ Sprachaufnahmen abtippen

Auch Facebook ließ Menschen Sprachaufnahmen von Nutzern abtippen.

(Foto: Thibault Camus/AP)
  • Auch Facebook ließ offenbar Sprachaufnahmen seiner Nutzer abtippen, um die Qualität von automatischen Transkriptionen zu verbessern.
  • Das Unternehmen hat die Praxis laut einem Sprecher vor etwa einer Woche beendet.
  • Zuletzt waren Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen.

Facebook-Mitarbeiter haben ausgewählte Aufnahmen aus dem Chatdienst Messenger angehört und abgetippt. Betroffen gewesen seien Nutzer, die die Transkriptions-Funktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte das Unternehmen dem Finanzdienst Bloomberg.

Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche eingestellt worden.

Während klar ist, dass für eine Transkriptions-Funktion Aufnahmen verarbeitet werden müssen, dürfte den Nutzern - ähnlich wie bei den anderen Tech-Konzernen - nicht bewusst gewesen sein, dass in einigen Fällen auch Menschen sie zu hören bekamen.

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In den vergangenen Wochen war bereits bekannt geworden, dass Amazon, Apple und Google Audio-Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen - ohne dass es den Nutzern bekannt war. Nach heftiger Kritik stellten Apple und Google die Praxis vorerst ein. Amazon gibt Nutzern zumindest eine Möglichkeit, die manuelle Auswertung zu deaktivieren.

Sprachaufnahmen bei Skype

Und offenbar lässt auch Microsoft Sprachaufnahmen von menschlichen Mitarbeitern abhören. Im Gegensatz zu Alexa, Siri und Google geht es aber nicht nur um Sprachassistenten, sondern auch um ein Programm, das Hunderte Millionen Menschen für berufliche und private Telefonate nutzen: Skype.

Wer seine Sprach- und Videoanrufe mit dem Skype Translator übersetzen lässt, muss einem Bericht von Vice zufolge damit rechnen, dass nicht nur die Gesprächspartner, sondern noch mehr Menschen zuhören.

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