Persönliche Daten im Internet:"Daten sind heute eine Währung"

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Die Kunden akzeptieren diesen Umstand auch aus zwei Gründen: Erstens ist es offensichtlich, dass ein Geschäft grundsätzlich nicht besiegelt werden kann, ohne dass Daten ausgetauscht werden. Das erklärt aber noch nicht, warum die meisten Kunden, zumal im digitalen Zeitalter, die Kontrolle über ihre Daten so bereitwillig abgeben. Vielleicht akzeptieren sie einfach, was ständig von Politikern und Journalisten wiederholt wird: "Daten sind heute eine Währung".

Persönliche Daten im Internet: Traumvorstellung: ein Klick, und der Nutzer wüsste, was Facebook über ihn weiß.

Traumvorstellung: ein Klick, und der Nutzer wüsste, was Facebook über ihn weiß.

(Foto: SZ-Infografik)

Die Aussage klingt clever in Anbetracht des großen Marktes, den es heute für Daten gibt. Aber sie führt in die Irre: Daten können keine Währung sein. Sie sind ein viel komplexeres Produkt als Geld. Wer sie auf ihren monetären Wert reduziert, übersieht, was mit ihnen alles angestellt werden kann - und mit Geld nicht. Fünf Euro bleiben, egal in wessen Hand, fünf Euro. Die Tatsache, welches Kosmetik-Unternehmen ein Facebook-Nutzer mag, wann und wie er surft und mit wem er befreundet ist, lässt dagegen einen Teil seiner Persönlichkeit offenbar werden.

Natürlich kann sich jeder Bürger an den Datenschutzbeauftragten wenden, und natürlich ist jedes Unternehmen verpflichtet, auf Aufforderung eines Kunden dessen persönliche Daten zur Verfügung zu stellen. Theoretisch. Praktisch ist zum Beispiel im Fall Facebook nicht mal klar, ob ein Auskunftsersuchen in den USA oder in der europäischen Niederlassung in Dublin eingehen müsste. Kleinere Unternehmen sind von einem Ersuch oft schlicht überfordert. Und viele Bürger wissen nicht einmal, dass die Möglichkeit einer Abfrage existiert, dass sie das Recht dazu haben.

Warum gibt es keinen Knopf: "Alle Daten anzeigen"?

Deshalb ist es an der Zeit für eine einfachere Lösung. Die Daten des Einzelnen sind schließlich in jedem Unternehmen vorhanden, und zwar in jenem Computernetzwerk, das der Kunde ohnehin benutzt. Wenn er Schuhe bei Zalando kauft. Oder Radkappen bei BMW bestellt. Oder ein Abo bei dieser Zeitung kauft. Oder Urlaubsfotos bei Facebook hochlädt.

Warum also gibt es auf den Internetseiten der Unternehmen keinen Knopf: "Alle gesammelten Daten anzeigen"? Er könnte zu einer Übersichtsseite führen, auf der wirklich alles angezeigt werden müsste, was das jeweilige Unternehmen von seinem Nutzer gespeichert hat. Das ist zum Beispiel bei Facebook wesentlich mehr als die Bilder und Notizen, von denen der Nutzer weiß, dass er sie hochgeladen hat. Darunter dürften einzelne Mausklicks sein, die Verwendung bestimmter Computerfunktionen, die Dauer, wie lange ein Nutzer eine bestimmte Seite angeschaut hat, und vom Nutzer gelöschte Objekte, die Facebook nämlich nicht wirklich löscht, sondern nur nicht mehr anzeigt.

Alltäglicher Umgang mit eigenen Daten

Eine solche Übersicht auf jeder Firmenwebseite wäre nichts anderes als die logische Weiterentwicklung der bereits vorgeschriebenen, aber oft kaum verständlichen Datenschutzerklärung. Hätte jeder Nutzer diese Information, könnte er selbst entscheiden, ob ihm die Leistung des Unternehmens genügend wert ist, um seine Daten dafür preiszugeben. Der aufgeklärte Umgang mit den eigenen Daten würde alltäglich werden, so wie ein Einkauf, um den Kühlschrank aufzufüllen. Damit würden auch weitere Gesetze und mehr Bürokratie überflüssig. Der mündige Bürger könnte für sich selbst entscheiden.

Gleichzeitig sollten Nutzer das Recht erhalten, wenigstens jenen Teil ihrer Daten unwiderruflich per Mausklick zu löschen, der nicht für das Geschäft der Firma, die die Daten gespeichert hat, unbedingt notwendig ist. Kurz: Wenn ein Kunde entscheidet, dass sein Autohändler seine Adresse nicht mehr besitzen soll, sollte er sie auf dessen Webseite löschen können. Die Bürger mit so viel Macht und Wissen auszustatten, wäre nur recht und billig. Die Unternehmen haben beides schon lange.

Anmerkung: Süddeutsche.de erklärt unter sz.de/datenschutz ausführlich, wie Sie auf unserer Seite die Verwendung Ihrer Daten kontrollieren können.

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