Mobile World Congress in Barcelona Smartphone-Apps spionieren in der Hosentasche

Kleine Spione: Welche App saugt welche Daten ab?

Praktisch, aber neugierig: Apps zapfen im Smartphone alle möglichen Daten ab - vom aktuellen Standort des Nutzers bis zu den Kontakten in seinem Adressbuch. Experten diskutieren über Möglichkeiten, dem Kunden die Kontrolle über seine Daten zurückzugeben.

Von Varinia Bernau, Barcelona

Sie machen aus dem Handy eine Taschenlampe, einen Wegweiser - oder einen Spion. Apps sind nicht nur Helfer in allen Lebenslagen. Sie sammeln auch alle möglichen Daten und senden diese, meist unbemerkt, an die App-Anbieter: Vom Aufenthaltsorten bis hin zu Auszügen aus dem Adressbuch.

Für all jene, die sich bei dem Gedanken gruseln, dass da jemand so genau über ihre Gewohnheiten Bescheid weiß, gibt es Hoffnung: Über die Frage, wie man den neugierigen Apps entkommt, wird in diesen Tagen auch in den Messehallen von Barcelona viel diskutiert. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Bislang gibt es nur kleine Initiativen, um dem Verbraucher die Datenhoheit zurückzugeben.

Einen Versuch unternimmt die Deutsche Telekom gemeinsam mit der Mozilla-Stiftung. Die Entwickler haben einen Prototypen vorgestellt, der einem mit wenigen Klicks verrät, welcher Dienst welche Daten absaugt. Da ist dann etwa zu sehen, dass der SMS-Dienst nicht nur das Adressbuch durchstöbert, sondern auch die Standortdaten. Immerhin, man kann auf dem Gerät seinen Aufenthaltsort verschleiern und etwa einer Wetter-App verraten, in welcher Stadt man gerade ist - nicht aber, in welcher Straße.

Spione mit einem Klick löschen

Viel mehr Geheimnisse kann man sich mit dem Gerät aber auch nicht leisten. Die Telekom will so eine Diskussion anstoßen, damit sich irgendwann auch Datenschutz so intuitiv handhaben lässt wie ein iPhone. Dass sich der Konzern dazu nicht mit Apple zusammengetan hat, sondern mit der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung, hat seinen Grund. Anders als Apple, wo die iPhones mehr als die Hälfte des milliardenschweren Umsatzes sichern, anders als Google, wo Werbung mehr als 90 Prozent der ebenso hohen Erlöse einspielt, muss Mozilla keinen Gewinn machen.

Dafür muss sich der Kunde dann aber auch mit einem einfachen Smartphone von Alcatel begnügen - und damit, dass er nur die wenigen Apps verwenden kann, die für das dazu gehörige Betriebssystem Firefox OS geschrieben oder angepasst wurden.

Wer hingegen nicht auf sein Smartphone verzichten will, kann sich einen ähnlichen Überblick über allzu neugierige Apps mit der kostenpflichtigen Software Privacy Advisor von Lookout verschaffen. Wie viele Apps zapfen etwa den Aufenthaltsort an - und welche? Neben dem Navigationsdienst, der einen durch eine unbekannte Stadt führt, taucht dort auch der Währungsrechner auf, der einem doch eigentlich nur sagen soll, wie viele Schweizer Franken man im Skiurlaub für seine Euro bekommt. Mit einem Klick kann man die kleinen Spione löschen.

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