Google und Facebook:Die Ungleichheit zwischen Korporationen und Privatpersonen verschärft sich

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Anfang der Achtzigerjahre, in der Vorzeit des Internets, publizierte der amerikanische Soziologe James Coleman eine Arbeit über die "Asymmetrische Gesellschaft". Coleman hat frühzeitig vor der Wiederkehr des Lockeschen Problems in moderner Zeit gewarnt. Fast prophetisch ist das Kapitel über asymmetrische Information. Die mächtigen korporativen Akteure, Verbände, große Unternehmen und staatliche Behörden, beuten Informationen aus, während private Akteure, Bürgerinnen und Bürger, hier auf der Strecke bleiben.

James Coleman hatte damals verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um die Machtbalance ein Stück weit wiederherzustellen. Eine seiner Forderungen lautete, dass jeder Dollar, der in die Werbung gesteckt wird, durch einen Dollar für die Aufklärung von Verbrauchern kompensiert werden müsse.

Eine Zähmung durch Marktregulierung wäre dringend geboten

Mit den international agierenden Software-Giganten hat sich die Asymmetrie zwischen Korporationen und Privatpersonen noch verschärft. Dabei haben sich auch die Probleme verschoben. Heute geht es mehr um Gebrauch, Missbrauch und die Verknüpfung privater Daten. Die Asymmetrie zugunsten dieser Unternehmen muss neu justiert werden.

"Citizen Scientists" wie der Soziologe und Physiker Dirk Helbing von der ETH Zürich, fordern nachdrücklich, dass die betroffenen Personen, aber eben nicht Unternehmen, Eigentümer persönlicher Daten bleiben. Privatpersonen müssen das unveräußerliche Recht erhalten, ihre Daten ganz oder teilweise löschen zu können. Ausnahmen wie etwa die Aufbewahrung einer Krankenakte können gesetzlich geregelt werden. Und natürlich sollte jede Bürgerin und jeder Bürger das Recht auf Auskunft über sämtliche gespeicherten Daten haben, die sie oder ihn betreffen.

Während die Kooperation von Handelspartnern auf den digitalen Märkten recht gut dezentral durch die Selbstorganisation und ohne Intervention Dritter zustande kommt, verhält es sich ganz anders mit den 'Löwen'. Eine Zähmung durch Marktregulierung wäre dringend geboten. Nur erweist sich der Nationalstaat leider als ein schwacher Dompteur, dessen Institutionen den international agierenden Mitspielern oft wenig entgegenzusetzen haben.

Andreas Diekmann lehrt Soziologie an der ETH Zürich. 2017/18 ist er Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin.

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